Ronny, oder Sterne die vorüberzogen

Als junger Knilch, während meiner Ausbildungszeit, war ich schon mal
froh über jeden Gelegenheitsjob, den ich an Wochenenden, oder auch zu den Feiertagen annehmen konnte, um mein Taschengeld etwas aufzufrischen. Will man den Disco-Mäusen imponieren, wird es meist erheblich teurer, als sich der Gunst käuflichen Fleisches auf direktem Wege anheim zu stellen. So hatte ein alter Kumpel von mir sich denn auch verpflichtet, bei einer Verkaufsgala im Essener Saalbau, den Empfang zu regeln, und mich, meines gesitteten Auftretens wegen, für den entsprechenden Zaster, um diesbezügliche Hilfestellung gebeten.
Die Veranstaltung hatte längst begonnen, als ein alternder, etwas abgerissen und angetrunken wirkender Mann, völlig außer Atem und durchgeschwitzt ins Entree des Forums rein schneite.
Ich fragte diesen sogleich, meiner Aufgabe entsprechend, was denn sein Begehr wäre, und er hustete mehr, als zu antworten: "Junge, ich bin spät dran -harrrpruuuust- und muss hier gleich -kröchzkrach-kröchelkröchzöchöcht- durch, auf die Bühne –huuuust, knarrenknarr-knusteknur-röchelröchel."
"Ach ja , wirklich ?" sagte ich amüsiert und etwas auf Distanz gehend:" Dürfte ich sie denn vor ihrer glorreichen Sternstunde dann wohl mal noch schnell um ein Autogramm bitten, bevor sie sich hier vollständig auflösen, und sich ins Jenseits weghusten ?(Auf die Bühne - hähä, das kann ja wohl jeder sagen, aber dochnicht ausgerechnet eine solche Schnarchtüte)
Der Typ nun völlig verdattert: "Was du kennst mich – kröchelkrächzknarz- nich ? Ich bin doch der -krochkroch-kritzelkröchtzkröchtz- der Ronny!"

"Donnerwetter, der Ronny also. Ach was ? Nee, kenn‘ ich abber nich, noch nie was von gehört, abber warten sie mal, das haben wir gleich. Haben sie vielleicht schon mal ihren Hauswart oder ihre Nachbarin danach befragt, was die ihnen gegen ihren Rachenkatarrh so alles empfehlen würden ?" Er schüttelte den Kopf und hüstelte dazu nur ein wenig verlegen. So bot ich ihm großmütig eines meiner klebrigen Fishermens Friends an, ("Nee, danke -krächtzkröchelkröchelknarzzz- das brauch' ich nich. Ich hab' selbst was dabei!") und bat ihn mir an den Empfangsschalter und zu meinem Kollegen zu folgen.
"Hey, Tom ! Hier ist jemand mit einem schlimmen Husten, der sagt er heißt Ronny, und meint hier unbedingt auf die Bühne zu wollen. Sach ma, weiß du watt davon ?"
"Watt, sind wir denn hier eine H-N-O-Ambulanz ? Ronny ???? Nee, kenn ich nich, nie watt von gehört, von dem Mann !!!" entgegnete der, "abber schaun 'mer mal flux auf die Gästeliste."
Er raschelte geschäftig und wichtigtuerisch mit einigen Papieren herum, während unser guter Ronny von einem Bein auf das andere trat, ganz so, als wenn er dringend mal für kleine Mädchen müsste, anstatt auf die Bretter, die die Welt für ihn bedeuteten. "Nee, datt tut mir ja getz schrecklich leid, abber von einem Ronny steht hier beim besten Willen nix!“ "Abber, abber Jungs, -krächzekröchtekröchelkrächzt- jetzt macht doch –krä(rawankrawank)chzt- keinen Scheiß hier, ich bin doch der- kröchelkrächzt- der Ronny !!! Ich happ -krachachach- gesungen -Es hängt ein -krochochoch- ein Pferdehalfter an der -krachharrharr – an der Wand, und ich muss hier gleich auftreten –Krachum krachundkröchelnocheins !"
Laßt mich doch um Himmelswillen endlich durch, hmrr, hmmrrr, hmmmrrrr-rülps. Ich muss in spätestens -harrrr- emmm, in 12 Minuten -hurz- in 12 hhhrrrhärrrhaarrrr- auf die Bühne !!!"
"Immer sachte, sachte, mit die jungen Pferde, nur keine übertriebene Hektik, guter Mann", lies Tom nun lässig verlauten ," nehmen sie's getz nicht allzu persönlich, abber von einem -Es hängt ein Krochochoch-, oder so'nem Pferdehalfter an der Wand - happ ich noch nie watt gehört, geschweige denn hier auf meiner Gästeliste gelesen, kenne ich deshalb auch nich. Muss man datt neuerdings etwa nachweisen, um einen Schwerbehindertenausweis, als Bronchitiker zu kriegen?“ Da der verschwitzte, schwabbelige Adipositus, mit Trunksuchtsymptomen, seinem präfinalem Keuchhusten und seiner Triefnase, den wir da vor der Brust hatten, nun sichtlich kurz vor einem nervenkollabierenden Lungen- wie Herzensriss stand, ich meine schmierigen Hände in Unschuld waschen und legen, und kein Menschenquäler sein wollte, schlug ich nun gönnerhaft vor, dass wir ausnahmsweise ja mal so wagemutig sein, und beim Veranstalter persönlich durchklingeln könnten.
Gesagt- getan, und nach wenigen Minuten des Hin und Her, der Kreuz- wie Querverbindungen (Handys gab es ja damals nicht) hatten wir den Boss schließlich auch endlich an der weißglühenden Strippe.

"Hallo Cheffe, wir haben den Ronny hier, und der hat gesungen - ääh, was noch mal?- also, ömm, ähh- ja, der hat gesungen -Es hängt ein Pferdeafter...- häää ? -Uno Momento mal... watt?... ohh, sorry,- es hängt ein Pferdehalfter an der Wand", oder so...- sagen sie mal, sacht ihnen datt irgendswie watt ?"
"Wie watt, Sonny !!!??? Kennich nich!!! Wie, Pferdeafter an der Wand !!!??? Kennich auch nich!!! Was faselt ihr da eigentlich für'n hirnrissiges Zeuch ??? Herr hilf, ich sitz mit'm Arsch im Schilf, warum hat mich der liebe Gott bloß mit solchen Idioten wie euch so gestraft !!!??? Welche verschissene Wand ??? Neeee, datt sacht mir alles überhaupt nix ! Hört ma zu ihr Weicheier, tickt ihr eigentlich nich mehr ganz sauber ??? Oder habt ihr einen an der Klatsche, dass ihr meint, ich hätte getz Zeit für solche Mätzchen, watt soll'n der Quatsch ??? Ach, wisst ihr watt ? Leckt mich doch kreuz- und christusweise, und steckt euch meinetwegen euren abgehalfterten Sonny, oder wie der heißt, samt der Wand, vor die ihr gelaufen seid, in diesen bestussten Pferdearsch, oder besser noch, in eure eigene vergrätzte Schokoladenfabrik !!! Ich bin gerade schwer im Stress, weil irgend so 'ne Arschgeige von Schlagerfutzi uns draufgesetzt hat, und wenn ihr mir getz sonne lapidare Kinderkacke dazwischenschmiert , wo ich datt ganze bekotzte Programm umstellen muss, werde ich verdammt grantich !!!", schepperte es unverstelzt punkig, und wie ein gezielter Kinnhaken, aus der Hörmuschel.
"Aber Cheffe, bei Gott dem Allmächtigen, so hören sie doch ... !"- klatscht - aufgelegt.

Man kann‘s nicht leugnen. Unser bodenständiger Arbeitgeber offenbarte sich zwar wahrhaftig nicht gerade als ausgemachter Schöngeist, zeigte sich aber dafür, augen- bzw. ohrenscheinlich, selbst in extremen Situationen, noch ebenso belastbar, wie souverän und wortgewandt.
"Hey, Mister! Ich hab‘ gerade eben mal den Boss interviewt. Der kennt sie abber auch nich‘. Abber der Kerl hat wohl auch gerade seine Tage, und is gewaltich am abdrehen, weil irgend so`n Schlagerheini noch nicht hier aufgekreuzt is, wie er sacht- sacht er. Apropos Schlagerheini -getz sagen se' bloß nich, datt sie datt sind? Menschenskind Ronny (?), ach du meine Fresse, datt hättesse uns abber auch gleich flüstern können, ohne hier gleich alles so wech zu husten, dass keiner mehr einen kennen kann. Du muss abber auch schonn mächtich lange deinem Bekanntheitsgrad ausgewichen sein, stimmt’s ?" Da es bezüglich unseres aktuellen Erkenntnisstands endlich sturmgeläutet hatte, geleiteten wir nun unseren arg zerknirschten VIP schleunigst zu den Garderoben, wo sich alsbald wirklich herausstellte, dass er dort tatsächlich schon voller Inbrunst erwartet wurde. Noch dazu von jemandem, der ihn auf wundersamste zu erkennen glaubte. Durch unseren geistesgegenwärtigen, selbstlosen Einsatz, nebst unserer mildtätigen Menschenfreundlichkeit, stand unser Ronny dann endlich auf der Bühne. Wenngleich auch leicht verspätet, und irgendwie verändert (wie es sich für einen großen Showstar gehört, der seinen Nasenschleimhäuten gerade auf die schiefe Bahn geholfen hatte).Aber er sang auch dafür nun, ohne das geringste Hüsterchen, wie eine männliche Nachtigall, die sich zu einer Mandeloperation verkehrt herum auf dem Chirurgentisch gelegt hatte. Es war erstaunlich, und wirklich das ultimative Highlight des Abends, als er da so als Stimmwunder und lupenrein sein Pferdehalfter vor die Wand, bzw. vor das erlauchte Publikum setzte, und wie er dabei selig und entzückt ins Mikrofon säuselte. Brüsselerspitzenmäßig- und wahrlich Heiland, Highländer, am allerheiländigsten !!! Der Mann war in der Tat ein echter "Brüller", den dazu jetzt plötzlich auch noch alle zu kennen schienen, denn "unser" Ronny kassierte für seinen Samon einen Sonderapplaus 1.Güte, mit kreischenden, ständigen Ovations oder so, und flennte wie gerührt und nicht geschüttelt. Es schien wie Zauberei. Womit der sich wohl selbst therapiert hatte?
Ich wurde jedoch trotz allem bis zum heutigen Tag den Verdacht nicht los, dass die sich allesamt nur einen subtilen Witz mit dem Kerl erlaubt und ihn irgendwie mächtig verarscht haben. So hemmungslos sentimental und zugesoffen konnten die mit ihren gepanschten Tischweinen noch gar nicht gewesen sein, um dieses schmalzige Geseire so euphorisch abzufeiern. Offenbar vermochte ich deren Art von Humor damals noch nicht zu folgen. Ich war wohl einfach noch zu jung, liebenswürdig und unbedarft dazu, um die Welt rings um mich her schon als so verdorben begreifen zu können.

3 Kommentare 9.3.08 17:01, kommentieren

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Für einen Genickschuss lang

Aufrecht geh ich vor die Hunde,
aus Gold der Topf, doch nichts ist drin.
Am Abend schnell, die Viertelstunde,
in der ich noch verwundbar bin.

Mit den Wölfen hab’ ich geheult,
bin mit Champagner zu Taumel und Tran.
Hab’ mir den Horizont verbeult,
mit Kontostand und Größenwahn.

Saufen, reden, denken, fühlen,
ganz ohne Zusammenhang.
Will die Welt hinunterspülen,
für einen Genickschuss lang.

Wie die Jahre uns verderben,
zwischen Sofa und Verstand
dürfen Ideale sterben,
wie Schlachtvieh fürs Schlaraffenland.

Nur der neue Weiswandreifen,
runderneuert mein Profil.
Sonntags ganz in Nadelstreifen,
gute Mine, -böses Spiel.

Saufen, reden, denken fühlen,
ganz ohne Zusammenhang.
Will die Welt hinunterspülen, für einen Genickschuss lang.


20.10.08 04:54, kommentieren

Die einsame Erbse

Mir scheint mein Wohlergehen, hinsichtlich des Freiheitsdrangs von Magen-und Darmwinden, hier als gesichert.
Blähungen aller Art, scheint man in meiner neuen Heimat Thailand wesentlich "gelassener" zu begegnen, als zuhause in deutscher Hochkultur.

So werde ich die hochrote Scham nie vergessen, die mein Gesicht kolorierte, als mein "vor dem" noch bester Kumpel, (der mit einem höchst volkstümlichen Naturell ausgestattet war, denn er fraß mit einem Klappspaten , sobald es was umsonst gab), sich bei einem Nobel-Italiener den Restbeständen mehrerer Pizzas und Nudelgerichten widmete, denen sich unsere Gastgeber, vorzeitig eines Völlegefühls wegen, verweigert hatten.

Nach dessen Einverleibung, ließ besagter Kumpel mit den Worten :"Boooh, aih! Getz bin ich abber satttt!", diesen Stoßseufzer, überlagert, wie durchkreuzt von einem Bäuerchen fahren, mit dem er auf ewig, jedes Löwenrudel aus der Serengeti hätte verjagen können.

Die zahlreich dinierenden Gäste, ließen daraufhin entsetzt ihr Gezähe fallen, und es wurde plötzlich mucksmäuschenstill im
Lokal.

Dann, nach der längsten Sekunde der Zeitgeschichte,- vereinzeltes, zaghaftes Kichern und törichtes Gibbeln aus dem Hintergrund, welches aber postwendend wieder verebbte, als auf dem Nachbartisch eine einsame Erbse ausrollte, die in eine putzige, kleine Schleimspur eingebettet, auf dem edlen Tuch dort verendete.

Den hier sitzenden Feinschmeckern entgleisten die Züge auf sämtlichen Bahnhöfen, und ihre zuvor vornehmen Gesichter, machten grimmig-verkniffenen Fratzen, wie auch einer bösartig, angewiderten Mordlust platz.

Infolgedessen hielten wir es geistesgegenwärtig für ratsam, uns gestelzt-souverän zu empfehlen und schleunigst das Weite zu suchen, noch bevor man uns mit Schimpf und Schande, wie mit gezielten Fußtritten bei diesem Ansinnen zuvorkommend unterstützen konnte.

Dieses unerquickliche Erlebnis hat mich sehr nachhaltig geprägt, und ich habe nie wieder unvermummt ein Restaurant aufgesucht.


1 Kommentar 3.5.08 16:21, kommentieren

Keine Macht den Drögen

Als knapp über 20 Jähriger arbeitete ich in einem Bautrupp für fernmeldetechnische Inneneinrichtungen, in dem es ziemlich locker, um nicht zu sagen zügellos zuging, weil unsere verbeamteten Bauführer zum Teil gestandene Alt-Kiffer waren.

So holte mich mein Chef zu dieser Zeit immer zu Beginn der Frühstückspause von zuhause ab, nachdem er mich zuvor als anwesend im Geschäftszimmer gemeldet hatte.

Da ich immer guten Pott zum Rauchen am Mann und auf meiner Bude hatte, bestand dann auch unser obligatorisches Frühstück, aus ein paar belegten Brötchen, rabenschwarzer Tinte, die fast nach Kaffee schmeckte und mehreren Bombern, die ich sentimental meinen "Bärentöter" und in der kleineren Ausführung eines Destillierkolben zärtlich "Henrystutzen" nannte.

Dabei spielten wir immer 1 bis 2 Stunden Jazzkonzerte auf meinem gerade erst neu erstandenen Betamax-Recorder ab, wobei der Bildschirm meines ebenso neuen Farbfernsehers kaum noch durch die dröhnenden Rauchschwaden auszumachen war.

So gegen 12 Uhr raunzte mich Kurt, mein Boss dann an: "So Junge, getz komm abber ma endlich inne Buxe, sonst saufen die uns in Kray noch die letzte Pulle Bier weg !" (aus den täglichen Gemeinschaftskästen)

Also stieg ich in die Wäsche und wir anschließend in den Dienstwagen, um uns die anstehenden Wegezeiten auf dem ständig gestauten Ruhrschnellweg mit dem Erfinden von subtilen Doppelnamen, (wie z.B."Hamsterbeck- Flötenstiel", "Bärenstark-Seidenweich", "Lattenschuss-Hahnebüch", oder auch "Kupferklo-Lampenzwang", um nur einige unserer hirnrissigen Kreationen zu nennen) zu vertreiben und uns darüber abzurollen.

In der Vermittlungsstelle Kray angekommen, soffen wir dann unser Flaschbier in hohen Dosen, und ich erledigte meinen Arbeitsauftrag und die dazu erforderliche Tagesleistung, wegen einer gewissen Geschicklichkeit meinerseits in etwa 50 Min.

Da Cheffe, als Bestandteil eines ungewohnt realitätsbezogenen Geistesblitzes, in den berauschten Sinn kam, dass er noch in die Personalstelle des Hauptamtes müsse, um für die Kinderlandverschickung seiner Tochter einen erforderlichen Beihilfeantrag zu stellen, bat er mich dazu, weil zum Förster eben auch sein Hund gehörte. Außerdem konnte er dann, wenn er mich anschließend nach hause brächte, noch den einen oder anderen bei mir smödeln.

Wir hockten uns in die Dienstbüchse, zündeten eine solide Tüte an und machten uns also vom Acker.

Irgendeine dämliche Ampel auf der Krayerstraße hatte es auf uns abgesehen und sprang, etwas distanzlos (ca.250 Meterchen plötzlich) vor uns völlig unmotiviert auf Rot.

Keine Panik, genug Zeit noch für eine routinierte, besonnene Bremsung.

Diese blieb aber wider erwarten aus.Der gute Cheffe ließ den Wagen einfach ausrollen und wir prallten somit, noch bevor ich meine vom Dope beeinflusste Geistesgegenwart in dieses schaurige Spiel bringen konnte, um die Handbremse zu betätigen, auf den vor uns haltenden PKW und lädierten dessen hinteres Stoßgestänge.

Die nicht einmal unattraktive Halterin des Fahrzeugs sprang erbost und überreizt aus ihrem Wagen, um den völlig entspannt im Hier und Jetzt hinter seinem Lenkrad sitzenden Boss empört anzuschrillen:

"Ja, haben sie mich denn nicht gesehen ?"

"Gar sicher doch", kam es von dem nun zurück: "sonst hätte ich sie ja wohl nicht getroffen!" Worauf wir beide noch, mit unserem abgedrehten kindischen, allgegenwärtigen debilen Gibbeln, die jüngsten Geschehnisse von der Absurdität eines Drogen-Comics überblenden ließen.

Nach dem Eintreffen, der Kollegen von der Schmiere, beruhigte sich die gute Frau und selbst wir wieder, und wir besannen uns gemeinsam auf die Polizeiarbeit, der wir uns souverän behilflich zeigten.

Wir erklärten den Beamten, dass Cheffe vom Bremspedal abgerutscht wäre, sodass in den Schuhen der Dienstkleidung, der eigentliche ursächliche Übeltäter zu suchen sei, wie ich es zu formulieren wusste, was die netten Herren von der Pillemannzei ebenso verständnisvoll und wie dankbar abzunicken wussten.

Nach kurzer Schadensaufnahme und einer geldbußlichen Verwarnung der strapaziösen Dame, da diese unseren Freund und Helfer eines Bagatellschadens wegen gerufen hatte, und wir obendrein schließlich seriöse Staatsdiener waren, ging unsere benebelte Fahrt dann weiter zum Fernmeldeamt, ohne das an unseren schwarz-rot-goldenen Bierfahnen Anstoß genommen wurde.

Während Cheffe nun wieder höchst sortiert darauf zusteuerte, konnte ich mir die Frage danach, was denn eigentlich an der Ampel gehindert hatte auf die Bremse zu latschen, nicht verkneifen.

"Ach jau, datt war nur, weil ich ganz einfach zu stoned war, um den Quanten hoch zu kriegen !" (Gibbel-Gibbel)

Da auch mir solche Zustände geläufig waren, dachte ich mir nix weiter dabei, und konnte diesen Aussetzer "vollstens" akzeptieren.

Im Hauptamt angekommen, ging Kurt also zu besagter Personalstelle und ich erst mal gründlich pissen.

Nachdem ich mir den sorgfältigst Ayatollah ausgewrungen hatte, begab ich mich zu der Tür des Büros, welches für die Verwaltung unserer Angelegenheiten zeichnete.

Von drinnen hörte ich es grummeln, flöten und das typische postnatale Rummgeiern von Cheffe, der nun die Tür öffnend verlauten ließ:

"Ach macht ja nix, iss ja schließlich keiner verletzt (Gibbel-gibbel)!"

Wie sich nämlich alsbald herausstellte, hatte der Gute völlig vergessen, was er dort überhaupt besorgen wollte und stand nun konfus-stammelnd und kichernd, vor den verdutzten aber gütigen Sachbearbeiterinnen.

Also, in der Tat: "Viel Rauch um immer mehr weniger Nichts !" (Gibbel-Gibbel)

1 Kommentar 3.5.08 16:26, kommentieren

Verkehrsrecht in Thailand

In den frühen Abendstunden des 2.3.2007 machten wir uns von Petchabun auf, um im ca.50 km weiter gelegenen Lom Sak die Eltern meiner Frau Jintana zu besuchen.
Etwa auf halber Strecke, wir hatten die Ortschaft Nang Ngua gerade hinter uns gelassen, machte ich vor uns auf der linken Kriechspur, ein recht gemächlich vorankommendes Moped aus, und setzte den Blinker meiner neuen Honda Wave, um dieses Fahrzeug auf der sonst freien Straße, zu überholen.
Kurz bevor ich diesen Vorgang jedoch abschließen konnte, steuerte die Fahrerin des 5-6m links vor uns befindlichen Fahrzeuges ohne den Blinker zu setzen (für den es ohnehin viel zu spät gewesen wäre), plötzlich selbstbewusst nach rechts, um dort in eine Seitenstraße abzubiegen.
Ein Ausweichen war von meiner Position aus unmöglich, so konnte ich gerade noch die Bremse ziehen ( & treten natürlich auch) und versuchen seitlich versetzt den unvermeidlichen Aufprall etwas abzuschwächen.
So krachte es dann auch postwendend, und wir verließen unsere sicher geglaubte Sitzposition, um sie mit dem Asphalt des Straßenbelages zu vertauschen.

Ich hatte ohnehin vor ein wenig abzunehmen und mich von einem Teil meines Fettgewebes zu trennen.
Wie sich alsbald herausstellte, ist diese Methode zwar etwas ruppig, aber zweifellos effektiv.
So konnte ich, wie in einer Zeitraffersimulation förmlich dabei zusehen, wie sich die Haut meines Unterarmes, sowie das darunter befindliche Gewebe, als hingebungsvoller Abrieb dem Straßenbelag als Nahrung andiente. Wenn man die Straße küsst, muss man dazu nicht zwingend vorher den Helm abnehmen und die Lippen spitzen. Die symbiotische Nähe ist allgegenwärtig und findet auch ohne einen solchen Aufwand reichhaltig statt.

Als die Welt rings um mich her wieder zu mir kam, erhaschte ich zuerst einen kurzen Blick
auf unseren Hund Willi, der aber, als ich nach ihm rief, paradoxerweise wie von Furien gehetzt das Weite suchte. Er hatte während unserer Fahrt, wie so oft, brav in seinem Körbchen vor mir gesessen, bis zu unserem Sturz.
Jetzt kam mir in einem Schub von unerwarteter Sentimentalität plötzlich auch meine Frau Jintana in den Sinn, und ich orientierte mich halbkreisförmig, mit einer gespenstischen inneren Ruhe ausgestattet, um unheilsschwanger die nähere Umgebung nach ihr abzutasten. Wenige Meter hinter mir vernahm ich dann auch ihr Stöhnen.
Jin lag mit zerrissener Jeansjacke halb auf dem Grünstreifen und die Tränen standen ihr im schmerzverzerrten, aber immer noch durchaus ansehnlichen Gesicht. “Djepp phuat khaa, djepp phuat khaa (Schmerzen im Bein)!“stammelte sie fortlaufend, geschockt und völlig benommen.
Die ersten, obligatorischen und blutrünstig anmutenden Schaulustigen stellten sich ein.

Ich rappelte mich hoch, um nach meiner Süßen zu sehen, und wirklich ich stand, wenn auch blutend und zittrig, aber noch völlig schmerzfrei, auf meinen zerschlissenen Beinen.
Äußerlich war bei Jin, bis auf eine kleine Schwellung, am linken, inneren Fußgelenk und ein paar unwesentliche, kleinere Hautabschürfungen keine Verletzung auszumachen. Aber zum Aufstehen war sie nicht zu bewegen, und sie jammerte steinerweichend in einer Tour.
Der Wagen von der Ambulanz war groteskerweise mit einer Schnelligkeit zur Stelle, als wenn er bereits auf uns gewartet hätte.

Ich gab einigen Leuten ein paar Anweisungen, den Hund betreffend, meine Jintana hatte man schon routiniert in das Innere des Krankenwagens verfrachtet, und ich humpelte jetzt dazu.

Eine mörderische, wohlweislich kaum durch unseren Zustand, zu rechtfertigende Fahrt
begann. Mit großem Lallü - lallaa flogen wir mehr, als wir fuhren zum Long Pajaban Richtung Petchabun, währenddessen unser Sanitäter provisorisch aber ebenso gekonnt wie zweckdienlich, unsere blutenden Wunden versorgte.
Der Fahrer preschte drauflos, als ging es darum die ihm fehlenden Punkte für die WM der Freitod-Akrobatik gut zumachen.
Außer meiner Jin, die auf eine Tragbahre fixiert war, konnten ich und der uns beigestellte junge Mann, nirgends einen Halt finden. So schossen wir dann auch bei der ersten heftigen Vollbremsung wie Torpedos durchs Wageninnere und ich landete, zielgenau
auf dem lädierten Fußgelenk meiner Liebsten, deren Augen, nebst ihren Schmerzenslauten, ich noch nie zuvor eine solch bitter-böse Anklageschrift gegen mich habe verlesen sehen.

Minuten später waren wir am Ziel, und ich empfand eine gewisse Dankbarkeit dafür, dem Tod noch mal von der Fliehkraft geregelten Schippe springen zu dürfen.
Meine Süße wurde alsbald in die Röntgenabteilung geschoben, die von ihrer Joggingpartnerin
geleitet wurde, ich folgte ihr hinkend nach. Seltsamerweise nahm von meinen Wunden keiner auch nur die geringste Notiz, obwohl ich wie Frankensteins Neffe aussah.
Das Pflegepersonal glaubte wahrscheinlich, ich hätte mich an ihren Blutkonserven vergangen, oder im Ketchup gesuhlt.
Den Röntgenbildern war deutlich zu entnehmen, dass das Waden-, wie auch das Schienbein im Fußgelenkbereich gebrochen waren und plattiert werden mussten. Es stand also eine OP mit anschließendem Krankenhausaufenthalt bevor.

Die OP verlief, wie nicht anders zu erwarten, glatter als der Bruch selbst, denn die Ärzte in TH machen fürwahr einen guten Schnitt. Sie haben durch die Häufigkeit von Unfällen erhebliche Routine und sehen ihr Einkommen somit bestens gesichert.

Wir machten also für 800 Bath täglich ein Einzelzimmer fest, dass hier durchaus mit einem im Mittelklassehotel zu vergleichen ist.
Abgesehen davon, dass die ganze Zeit über meine eigenen Wunden unversorgt blieben, lief alles wie am Schnürchen und wurde von Jintanas nächst jüngerer Schwester, die selbst Leiterin der Ambulanz der städtischen Klinik in Lom Sak ist, gesteuert.

Mittlerweile hatte sich auch der Rest der Familie, mit einem dazugehörigen Anwalt eingefunden, der mit mir zusammen am nächsten Morgen, nebst einem befreundeten, höheren Polizeioffizier, zur zuständigen Polizeidienststelle fahren wollte, um dort alles Protokollarische zu tätigen.
Er versicherte mir, dass ich nichts zu befürchten hätte, da er mit Hilfe seiner Reputation schon alles zum Guten richten würde.
Nach einer ersten, gemeinsamen Kliniknacht, in der wir wegen meiner Selbstbehandlung und Jins Schmerzen kaum Schlaf gefunden hatten, erschien der Gute nun auch, wie verabredet pünktlich um 9.00 Uhr.
Wir fuhren los und lasen zwischendurch noch den befreundeten Polizisten auf, der sich als sehr freundlich erwies. Somit wähnte ich mich jetzt auf das Prächtigste präpariert, und konnte selbstbewusst zur Klärung des Unfallherganges schreiten.
Dieser schien ohnehin zweifelsfrei klar, wie der Urin einer erkälteten Sextanerblase, und ich war mir zudem auch keinerlei Schuld bewusst.

Wie aber der weitere Verlauf zeigen sollte, gilt es hier in Thailand einem gewissen Selbstverständnis zu huldigen, welches beinhaltet, dass es tunlichst zu vermeiden ist, dem Bürger des Landes der Freien, einem Ausländer gegenüber mit Schuld oder etwa gar Schulden zu beladen.
So wurde der Schaden am Fahrzeug des Unfallgegners, ebenfalls eine kleinere Honda, fixiert und ich anschließend gefragt, ob ich mit dessen Begleichung einverstanden wäre ?

Nun fiel es mir wie Schuppen in Größe von Lagerhallen von den Augen, was hier gespielt werden sollte, und mein Horizont verfinsterte sich postwendend, so als wollte es gleich glühende Kacke regnen.
Ich erwiderte also, dass ich keineswegs verstünde warum ich einen Schaden, wenngleich auch in geringer Höhe, begleichen sollte, den ich nachweislich gar nicht verursacht hatte, und erhielt von dem Beamten, unter Zustimmung des Familienanwaltes zur Antwort, dass ich als Falang, das Thai-Recht (Grod Mai Thai) eben nicht verstehen würde.
Nun wusste ich meinerseits zu vermelden, dass diese Form von Schadensregulierung wohl eher darauf rückschließen lässt, dass es ein Solches überhaupt nicht gäbe, worauf man sich äußerst empört zeigte, und der Tanai (Anwalt) mir ans aufgewühlte, hochfrequente Herzchen legte, solchem Frevel zu entsagen und besser zu schweigen. Er bemühte dann sein Tolasapp Mütüü (Handy), mit dem er die Familie meiner Frau zur Unterstützung rief, und wohl auch um meine Läuterung herbeizuführen.
Wahrscheinlich habe ich die Welt ohnehin nie richtig verstanden, nun aber erschien mir ein solches Bestreben auch noch höchst sinnlos, und obendrein war ich, wie es schien, mit dem nackten Hintern in ein geheiligtes Tabu gesprungen, für das man mich jetzt allseits schmähte.

20 Min. später fanden sich zwei der Schwestern meiner Liebsten ein, sprachen mit ihrem Cousin (dem Anwalt) und wandten sich dann mit der Bitte an mich, ich möge mich doch kompatibeler gestalten, es wäre alles bestens geregelt, und es liefe doch alles in meinem Sinne.
Ich gab an, dass es genau das nicht täte, und mein Verstand sähe sich in seiner Winzigkeit einfach außer Stande zu begreifen, für einen Verkehrsunfall aufkommen zu müssen, den ich nicht verschuldet hätte. Zudem könne der Sachverhalt ja wohl unmöglich schon hinreichend geklärt sein, da bisher nicht einmal meine Frau dazu zeugenvernehmlich gehört worden war.
Nun hieß es plötzlich auch noch, die Unfallgegnerin habe doch aber angeben, den Blinker gesetzt zu haben, bevor sie uns über den Haufen fuhr. „Na, unter diesen Umständen trifft mich natürlich die volle Schuld, ich gestehe!“, kam nun dazu sarkastisch von mir zurück, wobei ich zynisch auflachte. Letzteres wurde jedoch von allen Umstehenden geschickt ignoriert, und meine Aussage mit größtem Eifer abgenickt.
Wenn ich nicht bezahle, würden es die Familienangehörigen für mich tun. Die Reparatur des Mopeds würde ohnehin die 1000 Bath-Grenze nicht überschreiten. Außerdem würde aus dem bereits aufgesetzten Protokoll hervorgehen, dass keinen von uns eine besondere Schuld trifft.

„Und wer bezahlt jetzt die Krankenhausrechnung meiner Jin?“, erdreistete ich mich zu fragen.
Was man damit beantwortete, dass es darum ja gar nicht gehen würde, weil das völlig irrelevant sei.

Na, wunderbar! Alles klar, alles bestens ! Das würde, nach souveräner Landessitte, letztendlich an mir als Falang hängen bleiben, da die dem Motorrad zugehörigen Standard- bzw. Pflichtversicherungen nur 15000 Bath für eine Behandlung umfassen würde.
Da aber auch, der mir beigestellte Rechtsbeistand das so für die beste Lösung hielt, unterschrieb ich, wenn auch unter Protest, das mir vorgelegte Schriftstück, während mir wutschnaubend der heiße Dampf aus den Nasenlöchern kochte, um somit auch meinen eigenen fahrbaren Untersatz ausgehändigt zu bekommen.

Die Reparaturkosten des gegnerischen Unfallfahrzeugs, inklusiv des unsrigen, kosteten schlaffe 380 Bath.
Was mich jetzt aber der ganze fragwürdige Spaß, des an mir praktizierten Exempels im Weiteren noch kosten wird, steht bis zur Stund noch aus und wird später von mir nachgereicht.

Wir alle scheuen zwar das Messer,
doch Scherereien sind nicht besser.

So kann man sich, auch ohne besondere Phantasiebegabung unschwer ausmalen, was mir das an Letzterem, ohne die von mir beschriebenen Beziehungen und meiner Sprachkenntnis eingebracht hätte.

Hier aber vorab noch eine kleine Randbemerkung:

Ich kenne den Verkehr hier wie meine zugenähte Westentasche. So fahre ich seit 11 J. in TH ebenso gewalt- wie unfallfrei, und das, wie ich bisher glaubte nur, weil ich mich dafür mit ein paar Antennen, vergleichbar etwa mit dem 7.(Blöd-)Sinn ausgestattet sah.

So oft wie hier gehupt wird, hätte diese lebensmüde Schlafwandlerin das mit Sicherheit auch nicht gerallt, wenn ich es getan hätte, und wohl eher den Blähungen des in Straßennähe angesiedelten Nutzviehs zugeordnet.
Und wer hupt auch schon bei jedem mickrigen Überholvorgang ?
Die besagte Kriechspur wird auch von Fußgängern (vor allem vierfüßigen), Geisterfahrern, wie auch zum „Ficknik“ genutzt. Darum werde ich auch ab sofort den "Kriechdienst" verweigern.

Wenn der Hund nicht geschi.... hätte, wäre das zweifellos sein selbst gefangener Hase gewesen, den er da verdaute.

Trotzdem hat ein Jeder natürlich recht, der behauptet, dass man hier mit allem rechnen muss, dieses aber nicht immer kann. Da soll es schon Leute gegeben haben, die brav, mit aller Vorsicht an einer auf rot geschalteten Ampel gewartet haben, und dann fällt denen plötzlich ein Flugzeug auf den Kopp.
Und es sollen sogar schon Menschen beim Schlittschuhlaufen auf einer Bananenschale ausgerutscht sein.

Fortsetzung (Der Hausmann) auf der nächsten Seite






Meine Frau Jintana mit ihren unglaublichen 52 Lenzen



reißende Bestie "Willi"

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