Der Hausmann (Fortsetzung von Verkehrsrecht in TH)

Micky Mouse hält mich voll auf Trab, um spätestens 6.00Uhr werde ich geweckt, weil sie um diese Zeit schon mindestens eine Stunde auf meinen Einsatz wartet. Dann der Hausputz, die Wäsche waschen und kochen, natürlich immer was anderes, als ich mal eben auf die Schnelle zubereiten kann, und bloß kein Ei darf darin sein, und keine Butter.Weil sie ja das Bein gebrochen hat, welches man ihr im Hospital plattierte, und sie wie fast alle Thai, in dem Irrglauben verharrt, dass das den Heilungsprozess negativ beeinflusst. Volle 2 Monate geht das jetzt so. .
Sie ist stets süß und lieb, aber auch nervig, weil ungemein kritisch.Außerdem war sie noch nie zuvor wirklich krank.

Aber, wenn schon falsch, dann richtig.Somit werde ich ihr selten gerecht, und was das Thema Sauberkeit angeht, ist sie nahezu zwanghaft, was ich bisher, als nicht so schlimm empfand, solange sie selbst putzte. Aber jetzt muss ich jedes Stück Obst, oder jede Kartoffel dreimal abwaschen, bevor es von ihr gegessen werden kann.Dazu soll ich möglichst 4 mal am Tag "abnaamen"(duschen), was sie selbst ja schließlich auch tut, weil sie so schwitzt, wenn sie mir beim Arbeiten zuschaut. Der Boden im Bad ist dann natürlich piak (nass) und lüün(glitschig), sodass ich den so 8 -10 am Tag trocken wischen muss, weil sie sich sonst mit ihren Krücken nicht aus Klo traut. Ganz schön Lambaak (anstrengend), sag ich Euch, und wenn ich dann mal in Ruhe posten will, muss ich dauernd, mit halbem Auge die Thai-Seifenopern mitverfolgen:"Tilak, duu noi!"(Du, Schatz guck mal, wie der guckt!") , oder sie ist total schnäbbelig, weil ich ihr, ihres niedrigen Blutdrucks wegen, morgens eine Tasse Kaffee verordnet habe, auf die sie, wegen ihrer eisernen Abstinents, so heftig reagiert wie ein Neugeborenes.

Aber sie ist eben auch immer noch so grausam schön, niedlich und ungemein nett dabei.Und gerade schon deshalb, könnte ich manchmal mit dem Kopp vor die Wand rennen, um nicht durchzudrehen.So ist es ein wahres Kunststück, sich dabei überhaupt noch aufs Schreiben konzentrieren zu können. Jetzt z.B. tut ihr das Bein und der Rücken wieder weh ("Tilak dschep puat khaa, dschep puat lang.Tilak, dschep-dschep, dsching-dsching!"), und ich soll sie massieren.

Vorhin beim Kochen, (dazu zwischendurch noch die Wäsche aufhängen, Abfall raus bringen und das Geschirr abspülen) sollte ich ihr unbedingt ihren Blutdruck messen, und die Nachbarschaft kommt obendrein noch dazwischen, und braucht dringlich guten Rat, wegen der Pickel ihres eitrig-pubertierenden Stammhalters, oder der unerträglichen Flatulenzen ihrer darmträgen Jai (Oma). Dazu rufen meine Eltern aus D an, um mich daran zu erinnern, dass meine Schwester schon wieder Geburtstag hat (offenbar hat sie das dauernd, wie mir scheint), während ich die riesige Fläche des Wohnzimmerbodens (75qm) wische. Ich sprinte also ans Telefon. Alles ist glitschig, und ich lege mich voll Karacho, der Länge nach auf meine Schokoladenseite (auf den Arsch, für die Jenigen, die es differenzierter haben wollen), wobei ich den dämlichen Putzeimer auch noch umreiße. Mit tränenden Augen, und schmerzverzerrtem Grinsen, vermelde ich meinem geliebten Quälgeist, der sich ängstlich-besorgt, nach meinem Wohlbefinden erkundigt: "Nein, mai pen lai, mai dscheb puat, ich war nur etwas müde, und habe mich mal kurz ein wenig hingelegt!" Schließlich ist sie ja die Kranke von uns beiden, und daran wird auch nicht gerüttelt.

Bloß jetzt keinen Gedanken daran verlieren, mich in der siffigen Miege zu entspannen, 10 Liter Dreckwasser wollen jetzt obendrein noch aufgewischt und entsorgt sein, also sage ich meinen Eltern, dass ich sie baldigst zurückrufen werde, vielleicht schon in wenigen Wochen, falls ich die Zeit dazu finde.

Die Inanspruchnahme einer 25-jährigen Mää Ban (Haushälterin), wurde von meiner Süßen natürlich auch vehement abgelehnt. Nicht etwa, aus Kostengründen, sondern wegen eines gewissen Liebreizes der Betreffenden. Eifersucht spielte dabei natürlich keine Rolle, sonder lediglich mangelndes Wai Tschai (Vertrauen), in das Sorgfältigkeitsbestreben der jungen Frau.

"Wir schaffen das schon alleine !", hieß es dazu großzügig von von meiner Liebsten, die sich dadurch obendrein auch noch, über meine persönlichen Bedürfnisse hinaus, als Stadtmeisterin im "Positiven Denken" auszuweisen wusste.

Mensch, waren das noch herrliche Zeiten, als Micky Mouse sich noch um den Haushalt kümmern konnte, und ich wenigstens nur heucheln musste, dass ich ihr dabei zu helfen gedachte.

So getz aber genug abgejammert, ich muss wieder frisch ans Werk. Ihre Haare begehren Strähnchen, und der Hund hat schon wieder auf die Terrasse gepisst.Gebadet soll der Köter auch noch werden, und unsere ebenso kleine, wie selbstbewusste Katze bedroht mich, weil sie Kohldampf hat. Also Jungs, bis dänne, die lausige Pflicht, nebst meiner über alles geliebten Micky Mouse ruft. Es ist mir also ein Vergnügen,"Ächtz!!!"



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Habemus Papam, oder nur Mega- Plemplem ? (zur Papstwahl)

Offensichtlich war die Zeit noch nicht reif für einen Negerpapst, aber schwarz darf der heilige Vater schon sein. Das stinkt Vielen denn auch kräftig zum Himmel und es stellt sich die Frage:

Ist Blut im heiligen Stuhl ? Wurde bei der Konklave zu fett gegessen, oder hatte nur der Messwein zu viele Öchsle? Wie dem auch immer sei, die klerikale Suchmaschine ist fündig geworden und am deutschen Kardinal Ratzinger kam offenbar keiner vorbei. Der mit überwältigender Mehrheit zum neuen Pontifex Maximus Gewählte, gilt in Anbetracht einer völlig vergreisten Kurie als einer der Letzten die noch katholisch denken können, und das, sogar noch richtig mit dem Kopf. So gilt Ratzinger als ein toller Deal, für die Beantwortung von Sachfragen, bei denen ein klarer Menschenverstand und weltliche Bodenhaftung übertrieben fehl am Platze wären. Was haben die eigentlich vor zu keltern, wenn es eines solchen demütigen Arbeiters am Weinberg Gottes braucht, Essig etwa ?

Als klerikaler Küchenchef und inquisitorischer Abschmäcker jener furztrockenen Worthülsenfrucht, die von je her als Initialzünder für ewig gestrige Geistesflatulenzia zeichnet, half der bayerische Spaßkiller kräftig dabei mit, einen frischen Wind in die Kirche zu lassen. Dieser Jahrtausend alte Mief, den die Gläubigen seit Bestehen des klerikalen Kultes wegschnüffeln müssen, sobald man in Rom eine Kutte lüftet, hat leider immer noch Verbindlichkeit. Siehe z.B. bei Fragen ,wie Priester im “Masturbat”, Zölibat für Homosexuelle, Frauen als Kuttenhengste, sowie bei der präservativen Geburtenkontrolle und der Zuwiderverheiratung ,um nicht mit einer endlosen Auflistung zu langweilen.
Mit seiner starren Federung und der sperrigen Schaltung, ist das Nachfolgemodell des polnischen 2-Takters Wojtyla, schon jetzt ein verstaubter Ladenhüter. Völlig untermotorisiert, in mausgrauer Einheitslackierung, radikal überdimensionierter Bremsanlage, dafür aber mit enormer Spurtreue ausgestattet, verbrämt er all die Jenigen die sich vom zukünftigen Santa Mobile, mehr als einen ruppigen Rückwärtsgang und knallharten Interruptus versprochen haben.
Diese werden sich nun zwangsläufig deutlich von rechts abgewatscht fühlen, und bestimmt noch des Öfteren insbesondere ihre Linke hinhalten müssen..
Nichts desto trotzend, ist Ratzinger ein Verfechter der Innovation katholischer Traditionen, denn
in Zeiten des Globalisierungs-Tsunamis, hat alles Rückwärtsgerichtetes schon fast revolutionären Charakter. "Papa Ratzi" ist aber auch ganz “ Mensch” geblieben, was schon durch seinen aufrechten Gang hinreichend belegt zu sein scheint. Zudem genießt er nicht nur in der kirchlichen Administration Sympathien, denn auch seine Mutter soll ihm während seiner ersten Lebensmonate sehr zugetan gewesen sein. Seine sanftmütigen, eisgrauen Augen strahlen eine Herzensgüte aus, gegen die ein Stilett wie ein Wattestäbchen anmutet.
So hat die Kurie in aller Bescheidenheit (besonders im Hinblick auf ihre geistigen Fähigkeiten) eine weise, volksnahe Entscheidung getroffen, die allein davon überschattet ist, dass sie Gottes Segen zu entbehren scheint. Aber wozu braucht es auch einen Solchen, wenn man wie jetzt die Opus Dei, den Papst in seiner Tasche weiß. Trotz und wegen, stellt sich für manch eine Lästerzunge die Frage, ob geistliche auch zwangsläufig geistige Qualifikation beinhalte muss ? Wie viel Altersstarrsinn und polymorphe Hirnakrobatik muss man wohl mitbringen, um ein hohes Kirchenamt zu bekleiden. Nicht zu Letzt soll der Motor für praktizierende Seelsorge und Nächstenliebe ja mitunter eine gewisse leidenschaftliche Hinwendung zum Kinde gewesen sein. Jetzt aber mal Schluss mit lustig, wieso eigentlich immer alles in den Dreck ziehen? Ist jetzt nicht vielmehr positives Denken gefordert ? Immerhin haben die germanischen Herrenmenschen nach 500 Jahren trübsinniger Entbehrung, endlich wieder einen Deutschen auf dem Dach der Welt sitzen. Eine kleine Wiedergutmachung ,nach dem das vor 60 Jahren so kräftig in die Hose gegangen ist. ”Hosianna Freunde !” Wenn das nicht Balsam ist, für den seit Generationen geschundenen Nationalstolz. Das lässt uns sogar großzügig darüber hinwegsehen, dass sich durch diese Wahl, die stiefkindliche Basiskirche der 3.Welt nun wiederholt zu Grabe getragen sieht. Das trifft sich gut, da es ja auch eine “Kirche von Unten” geben soll.

Heiland, Highländer, am aller heilländigsten !

Wie lange soll sich solch verkorkster Hirnriss eigentlich noch durch die katholische Welt ziehen, bevor man sich darauf besinnt, dass man nicht mit spanischen Stiefeln in die Fußstapfen eines Jesus Christus treten kann. Erinnert sich eigentlich noch jemand daran, für was dieser einstand. Einen blassen Schimmer davon haben sicher noch die Basis-Christen.
Die vom weltlichen abgehobene Kurie jedoch findet einfach nicht die Zeit dazu, um sich mit den frühreifen Wurzelirritationen eines 2000-jährigen Freischärlers auseinander zu setzen. Dem katholischen Personenkult war der Postbote schon immer wichtiger als die Nachricht, die dieser überbringen wollte. So sah man sich denn auch stets mit Wichtigerem konfrontiert, wie z.B. :

Wie viel Engel finden wohl auf einer Nadelspitze Platz ? Oder man wusste Gallilaeus nach 6-wöchigen Beratungen, auf einem eigens dafür ins Leben gerufenen Konzil, vor gar nicht allzu langer Zeit zu rehabilitieren. Dieser hatte doch 500 Jahre zuvor behauptet, dass die Erde lange nicht so schwer auf Scheibe ist, wie das von den Kirchenfürsten vertreten wurde. Noch eine ungemein wesentliche Frage stand zur Beantwortung: Darf man als Katholik das Abendmahl mit einem Anhänger des lutheranischen Glaubens teilen ? Auch hierzu wurde uns weiser Ratschluss zu teil. Ein Solches kann man natürlich mit nichten. Nicht auszudenken welchen fatalen, ketzerischen Frevel wir auf uns laden würden, wären wir dem etwa auf einem ökumenischen Gottesdienst anheim gefallen. Wir sähen uns allesamt durch lästerliche Segnungen stigmatisiert und der ewigen Verdammnis preisgegeben. Eine infernalische Vorstellung. Gott stehe uns bei und möge verhindern, dass sich unser Pfarrer auf solche Weise grobfahrlässig versegnet. Sollen die Opfer die der 30-jaehrige Krieg gefordert hat, etwa für die Katz gewesen sein?

Durch die Ernennung unseres neuen Oberhirten hat sich das jüngste Gericht noch einmal bis auf Weiteres vertagt, und wir können als gute Christen die Sin(n)flut unserer globalistischen Geldgier und Machtgeilheit weiterhin aus Jauchekübeln über die Bedürftigkeit der Wehrlosen schütten, ohne das böser Fluch uns belastet. Hierzu sei auch hervorzuheben welche aufrechte und politisch- neutrale Position, die Kirchen im Hinblick auf das 3.Reich und den Holocaust einnehmen konnte. Da wollte nicht nur der gottesfürchtige Landser, nein auch die fromme Kanone gesegnet sein.
Wenn wir kurz vor unserem Tode nur aufrichtig bereuen, werden wir trotz aller, zu Lebzeiten begangener Schweinereien schnurstracks, am Teufel vorbei in den Himmel fahren. Echt oberhirtentittenspitzengeil ist das. Der neue, deutsche Heilige Vater ist mit seiner eingefrorenen Geisteshaltung megacool drauf und wir brauchen unser eigenes Gewissen nicht länger zu strapazieren. Gott sei Dank.

Liebe Brüder im Herrn,

ist ein Christ ohne Papst, nicht irgendwie wie ein Fisch ohne Fahrrad ?


So lasset uns denn beten:

Kruzifixe zu Zapfhähnen, Hostien zu Maische .

Wir destillieren den klerikalen Kult

und bauen aus den Trümmern der alten Kirche

eine neue Brauerei.

PROST

1 Kommentar 3.5.08 16:18, kommentieren

Spott

Es gibt immer wieder Menschen, die sich über meine Art von sprachlichen Spitzfindigkeiten und meinen Spott verärgert zeigen. Und weil sie über keine eigene Antenne dafür verfügen, gilt es ihnen diese zu verteufeln.

Ich freue mich hingegen immer wie ein Kind, wenn mir so etwas auch bei anderen begegnet.
So war ich während meines letzten Deutschlandaufenthaltes mit dem Sohn meines langjährigen Freundes auf einem Hundeplatz, um den Versuch zu wagen, deren frisch erworbenen, recht ungestümen Vierbeiner etwas zu disziplinieren.
Da das Wetter an diesem Tag einen hohen Anteil von H2O aufwies, war das letztlich eine sehr schlamm-bis schlampige Angelegenheit.
Neben uns befand sich noch ein gewisser Anteil an Leuten auf diesem Platz, die sich durch ihr Sprachbild, wie durch ihr (prolliges) Outfit als etwas schlichter vom Gemüt her auszeichneten, was aber dem gängigen Mustern dieses Stadtteils durchaus zur Ehre gereicht.

Eine recht adipöse, mittelalte Frau, die uns erkannte, weil mein Kumpel sie und ihre Familie ärztlich betreut, kam auf uns zu, mit den Worten:

"Manno, is datt en fieset Wetter, ich seh ja schonn aus wie en Schwein!"

Worauf Sohnemann (der meines Freundes), für sein Alter ungemein schlagfertig, entgegnete:

"Stimmt, und beschmiert haben sie sich auch noch !"

Die gute Frau bekam die darin eingebettete, geistreiche Gehässigkeit des Kleinen, Gott und seiner frisch gebügelten Dreifaltigkeit sei's gedankt gar nicht erst mit, und nickte das sogar bereitwillig ab.

Als ich dies, wieder zu hause angekommen, dem Vater zum Besten gab, standen diesem vor lauter Stolz die Freudentränen in den stahlblauen Augen, weil hierbei offenkundig wurde, wie sehr sein Sohn doch seinem eigenen Fleisch und Blut entsprach, und unserem gemeinsam gepflegten Humor gerecht wurde.

Für spontanen und subtilen Witz gilt mir besonders ein weiteres Beispiel, welches ich mit Letztgenanntem in Amsterdam beim Bier (Grachtenpisse) vor dem Kempinsky-Hotel erlebt habe.

Dort fuhr nämlich plötzlich ein Reisebus vor, dessen Insassen sich deutlich als eine Gruppe von Japanern auswies, da sie durch ihre Kleidung und Kameraausrüstung, wie durch ihre kleinwüchsige Gestalt, den gängigen Klischees ihrer selbst deutlich gerecht wurde.

Bierselig und augenzwinkernd ließ mein Kumpel nun verlauten:

"Guck dir die mal an, die sehen ja aus wie eine gentechnologische Parodie!",

worauf ich zu erwidern wusste:

"Stimmt irgendwie, dafür hätte der liebe Gott glatt den Kleinkunstpreis verdient !"

Auch wenn das viele vielleicht als außenpolitisch nicht korrekt, oder gar als böse empfinden, wir beide konnten uns darauf hin, einem heftigen Lachanfall nicht verwehren, sodass uns besagte "Grachtenpisse" peinlichst aus Mund und Nase spritzte.

16.9.07 14:48, kommentieren

Biedermann & Co.

Ich komme langsam dahinter, was mich an bestimmten Leuten so abstößt, und oft so übertrieben nervt.

Es ist weniger, die Beschaffenheit ihrer Schnürsenkel, oder etwa die Form ihres Kopfes, die mich dazu verleiten will einen Ehrenmord zu begehen, und auch eigentlich nicht wirklich, deren Begeisterung für den falschen Fußballverein, oder die Art und Weise, wie sie ihr Frühstücksei pellen, und ihre Frauen und Kinder misshandeln.

Es ist vielmehr die abgrundtiefe Bosheit, mit der sich der Biedermann bewaffnet, um jedem und allem zu begegnen, das sich nicht gleichschalten lässt, und der Hass, mit dem er jedwedem Ausdruck von Individualität begegnet. Da reicht es schon aus, ein Wort zu benutzen, dass ihm fremd ist, oder eine vielleicht selbstkreierte, und deshalb asymmetrische Frisur, auf dem erhobenen Haupte zu tragen, und „Zack“, schon hat dieser, an sich friedliche, gutartige Mensch, ein neues Feindbild ausgemacht.

Dabei will ein Biedermann doch wirklich nur nett sein. Und das zu jedem der genauso bescheuert aussieht, spricht, lebt, furzt und denkt, wie er selbst. Menschen anderer Schattierung, weisen ihm gegenüber grundsätzlich aus, dass sie ihn, durch ihr Anderssein nur provozieren und hochmütig verachten wollen.

Gefährlich nickelig kochen diesem gönnerhaften Kameraden nur dann die Grausamkeiten hoch, wenn er seine Positionen hinterfragt sieht. Solch garstiger Frevel dient nämlich lediglich dazu, sich über einen kreuzbraven, bierseligen Menschen lustig zu machen, wie sich an ihm zu erhöhen, und er muss zwangsläufig da heraushören oder lesen, dass ihn irgend so ein inkontinenter Klugscheißer für ebenso blöde hält, wie unser Biedermann in aller Regel auch naturgemäß ist.

Solche schändliche Provokation, ist unverzeihlich, und muss mit allen Mitteln bekämpft werden. Unser gutmütiger Biedermann liebt nämlich das devote, und dient den Herren dieser Welt. Ist es da vielleicht zu viel verlangt, wenn man sich auch ihm unterwirft ?

Alles Außergewöhnliche in Sachen Wertvorstellungen, Kleidung, Musik, oder sei es auch nur die Auswahl einer Heckenschere, bzw. die bei der Vorgartenbepflanzung, löst die elementare Boshaftigkeit des Biedermannes aus.

Wer diesem kleinkarierten Humorlegastheniker nicht genug Honig ums Maul schmiert, ihn nicht bauchpinselt, nicht "lieb" und großartig genug findet, oder ihn obendrein mit einem Widerwort tadelt, wird völlig zu recht Opfer einer Körperverletzung, oder von Rufmordattacken. Diese Leute kämpfen wegen ihrer sauber, sanft und glatten, kleinbürgerlichen Schablonen bis aufs Blut, und das meist nur, um sich ihrer selbst, wie ihrer geistigen Beschränkungen nicht schämen zu müssen.

Um ihrer Überforderung zu entgehen, erklären sie somit flux, ihren „Röhrenden Hirsch“ zur „einzig wahren Kunst“, und den messerscharfen Knick im Sofakissen zur Hochkultur.

Der Biedermann kennt sich aus, und er und sein Bier, wissen stets was richtig ist, und was falsch.

Schon der geringste Widerspruch gilt ihm als handfeste Beleidigung, und die Todesstrafe als wichtigste Errungenschaft einer humanistischen Welt.

Eigentlich ist ein solcher Volkstümer, der es sich versagt ohne Karneval lachen zu dürfen, ein verdammt armer Teufel, dessen zwanghafte Gier nach Autorität, aus Mangel an Talenten, Herz und Hirn, meist unerfüllt bleibt. So wird stattdessen alles „ Neo-Normale, die fahle Mittelmäßigkeit, wie auch die schlichte Belanglosigkeit und das Anspruchslose (besonders hinsichtlich der eigenen geistigen Fähigkeiten) zur Staatsreligion erklärt.

Menschen dieses Schlages, kann man unmöglich mit Ehrlichkeit und Offenheit begegnen. Genau das, will der Biedermann (Modell "Wilde Rose" von Villeroy & Boch) nicht aushalten müssen und verhindern. So sieht er alles Gestelzte und ein gekünzeltes Lächeln vielmehr als ausgesprochen höflich an, wie auch, dass man ihm die wirklichen Gedanken anderer erspart, und man seine Sympathien artig heuchelt, damit er seine Menschenkenntnis in aller Ruhe ausweiten, und seine beiden Schubladen gemütlich und übersichtlich sortieren kann. Wobei die eine "Das Gute", und die zweite "Das Böse", sowie auch den jeweiligen Schlüssel zum öffnen der anderen birgt.

Die Notlüge gilt ihm als höchste Tugend, obwohl er seinen Mitmenschen seine eigene, peinliche Gedankenwelt pausenlos aufzwingen muss, um sich zu beweisen, wie großmütig und wichtig er ist.

Ein pflichtbewusster Mensch dieses Schlages, wird seine Kinder keineswegs nur lediglich erziehen. Er wird sie vielmehr zu dressieren wissen, damit sie hübsch kuschen, höflich ihren Bückling machen, und vor allem, um als Erbe des biederen Blutes, rechtzeitig Vernunft und Haltung anzunehmen, und zu lernen was latente Angst bedeutet, die ihm als Lebensmittel gilt.
Natürlich wird dieser rechtschaffene Mann auch überaus stolz darauf sein, dass sein postnataler Nachwuchs, schon nach wenigen Monaten vollständig "trocken" und stubenrein ist.

Ein sauberer, verzagter Zwerg also, der sich von selbst aufbläst, sobald man auf die „rechte“ Taste drückt, und vor allem ein Mensch, der stets bei anderen einklagt, ihm jene Achtung zu erweisen, die er sich selbst nicht zollen kann.

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