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Spott

Es gibt immer wieder Menschen, die sich über meine Art von sprachlichen Spitzfindigkeiten und meinen Spott verärgert zeigen. Und weil sie über keine eigene Antenne dafür verfügen, gilt es ihnen diese zu verteufeln.

Ich freue mich hingegen immer wie ein Kind, wenn mir so etwas auch bei anderen begegnet.
So war ich während meines letzten Deutschlandaufenthaltes mit dem Sohn meines langjährigen Freundes auf einem Hundeplatz, um den Versuch zu wagen, deren frisch erworbenen, recht ungestümen Vierbeiner etwas zu disziplinieren.
Da das Wetter an diesem Tag einen hohen Anteil von H2O aufwies, war das letztlich eine sehr schlamm-bis schlampige Angelegenheit.
Neben uns befand sich noch ein gewisser Anteil an Leuten auf diesem Platz, die sich durch ihr Sprachbild, wie durch ihr (prolliges) Outfit als etwas schlichter vom Gemüt her auszeichneten, was aber dem gängigen Mustern dieses Stadtteils durchaus zur Ehre gereicht.

Eine recht adipöse, mittelalte Frau, die uns erkannte, weil mein Kumpel sie und ihre Familie ärztlich betreut, kam auf uns zu, mit den Worten:

"Manno, is datt en fieset Wetter, ich seh ja schonn aus wie en Schwein!"

Worauf Sohnemann (der meines Freundes), für sein Alter ungemein schlagfertig, entgegnete:

"Stimmt, und beschmiert haben sie sich auch noch !"

Die gute Frau bekam die darin eingebettete, geistreiche Gehässigkeit des Kleinen, Gott und seiner frisch gebügelten Dreifaltigkeit sei's gedankt gar nicht erst mit, und nickte das sogar bereitwillig ab.

Als ich dies, wieder zu hause angekommen, dem Vater zum Besten gab, standen diesem vor lauter Stolz die Freudentränen in den stahlblauen Augen, weil hierbei offenkundig wurde, wie sehr sein Sohn doch seinem eigenen Fleisch und Blut entsprach, und unserem gemeinsam gepflegten Humor gerecht wurde.

Für spontanen und subtilen Witz gilt mir besonders ein weiteres Beispiel, welches ich mit Letztgenanntem in Amsterdam beim Bier (Grachtenpisse) vor dem Kempinsky-Hotel erlebt habe.

Dort fuhr nämlich plötzlich ein Reisebus vor, dessen Insassen sich deutlich als eine Gruppe von Japanern auswies, da sie durch ihre Kleidung und Kameraausrüstung, wie durch ihre kleinwüchsige Gestalt, den gängigen Klischees ihrer selbst deutlich gerecht wurde.

Bierselig und augenzwinkernd ließ mein Kumpel nun verlauten:

"Guck dir die mal an, die sehen ja aus wie eine gentechnologische Parodie!",

worauf ich zu erwidern wusste:

"Stimmt irgendwie, dafür hätte der liebe Gott glatt den Kleinkunstpreis verdient !"

Auch wenn das viele vielleicht als außenpolitisch nicht korrekt, oder gar als böse empfinden, wir beide konnten uns darauf hin, einem heftigen Lachanfall nicht verwehren, sodass uns besagte "Grachtenpisse" peinlichst aus Mund und Nase spritzte.

16.9.07 14:48, kommentieren