Keine Macht den Drögen

Als knapp über 20 Jähriger arbeitete ich in einem Bautrupp für fernmeldetechnische Inneneinrichtungen, in dem es ziemlich locker, um nicht zu sagen zügellos zuging, weil unsere verbeamteten Bauführer zum Teil gestandene Alt-Kiffer waren.

So holte mich mein Chef zu dieser Zeit immer zu Beginn der Frühstückspause von zuhause ab, nachdem er mich zuvor als anwesend im Geschäftszimmer gemeldet hatte.

Da ich immer guten Pott zum Rauchen am Mann und auf meiner Bude hatte, bestand dann auch unser obligatorisches Frühstück, aus ein paar belegten Brötchen, rabenschwarzer Tinte, die fast nach Kaffee schmeckte und mehreren Bombern, die ich sentimental meinen "Bärentöter" und in der kleineren Ausführung eines Destillierkolben zärtlich "Henrystutzen" nannte.

Dabei spielten wir immer 1 bis 2 Stunden Jazzkonzerte auf meinem gerade erst neu erstandenen Betamax-Recorder ab, wobei der Bildschirm meines ebenso neuen Farbfernsehers kaum noch durch die dröhnenden Rauchschwaden auszumachen war.

So gegen 12 Uhr raunzte mich Kurt, mein Boss dann an: "So Junge, getz komm abber ma endlich inne Buxe, sonst saufen die uns in Kray noch die letzte Pulle Bier weg !" (aus den täglichen Gemeinschaftskästen)

Also stieg ich in die Wäsche und wir anschließend in den Dienstwagen, um uns die anstehenden Wegezeiten auf dem ständig gestauten Ruhrschnellweg mit dem Erfinden von subtilen Doppelnamen, (wie z.B."Hamsterbeck- Flötenstiel", "Bärenstark-Seidenweich", "Lattenschuss-Hahnebüch", oder auch "Kupferklo-Lampenzwang", um nur einige unserer hirnrissigen Kreationen zu nennen) zu vertreiben und uns darüber abzurollen.

In der Vermittlungsstelle Kray angekommen, soffen wir dann unser Flaschbier in hohen Dosen, und ich erledigte meinen Arbeitsauftrag und die dazu erforderliche Tagesleistung, wegen einer gewissen Geschicklichkeit meinerseits in etwa 50 Min.

Da Cheffe, als Bestandteil eines ungewohnt realitätsbezogenen Geistesblitzes, in den berauschten Sinn kam, dass er noch in die Personalstelle des Hauptamtes müsse, um für die Kinderlandverschickung seiner Tochter einen erforderlichen Beihilfeantrag zu stellen, bat er mich dazu, weil zum Förster eben auch sein Hund gehörte. Außerdem konnte er dann, wenn er mich anschließend nach hause brächte, noch den einen oder anderen bei mir smödeln.

Wir hockten uns in die Dienstbüchse, zündeten eine solide Tüte an und machten uns also vom Acker.

Irgendeine dämliche Ampel auf der Krayerstraße hatte es auf uns abgesehen und sprang, etwas distanzlos (ca.250 Meterchen plötzlich) vor uns völlig unmotiviert auf Rot.

Keine Panik, genug Zeit noch für eine routinierte, besonnene Bremsung.

Diese blieb aber wider erwarten aus.Der gute Cheffe ließ den Wagen einfach ausrollen und wir prallten somit, noch bevor ich meine vom Dope beeinflusste Geistesgegenwart in dieses schaurige Spiel bringen konnte, um die Handbremse zu betätigen, auf den vor uns haltenden PKW und lädierten dessen hinteres Stoßgestänge.

Die nicht einmal unattraktive Halterin des Fahrzeugs sprang erbost und überreizt aus ihrem Wagen, um den völlig entspannt im Hier und Jetzt hinter seinem Lenkrad sitzenden Boss empört anzuschrillen:

"Ja, haben sie mich denn nicht gesehen ?"

"Gar sicher doch", kam es von dem nun zurück: "sonst hätte ich sie ja wohl nicht getroffen!" Worauf wir beide noch, mit unserem abgedrehten kindischen, allgegenwärtigen debilen Gibbeln, die jüngsten Geschehnisse von der Absurdität eines Drogen-Comics überblenden ließen.

Nach dem Eintreffen, der Kollegen von der Schmiere, beruhigte sich die gute Frau und selbst wir wieder, und wir besannen uns gemeinsam auf die Polizeiarbeit, der wir uns souverän behilflich zeigten.

Wir erklärten den Beamten, dass Cheffe vom Bremspedal abgerutscht wäre, sodass in den Schuhen der Dienstkleidung, der eigentliche ursächliche Übeltäter zu suchen sei, wie ich es zu formulieren wusste, was die netten Herren von der Pillemannzei ebenso verständnisvoll und wie dankbar abzunicken wussten.

Nach kurzer Schadensaufnahme und einer geldbußlichen Verwarnung der strapaziösen Dame, da diese unseren Freund und Helfer eines Bagatellschadens wegen gerufen hatte, und wir obendrein schließlich seriöse Staatsdiener waren, ging unsere benebelte Fahrt dann weiter zum Fernmeldeamt, ohne das an unseren schwarz-rot-goldenen Bierfahnen Anstoß genommen wurde.

Während Cheffe nun wieder höchst sortiert darauf zusteuerte, konnte ich mir die Frage danach, was denn eigentlich an der Ampel gehindert hatte auf die Bremse zu latschen, nicht verkneifen.

"Ach jau, datt war nur, weil ich ganz einfach zu stoned war, um den Quanten hoch zu kriegen !" (Gibbel-Gibbel)

Da auch mir solche Zustände geläufig waren, dachte ich mir nix weiter dabei, und konnte diesen Aussetzer "vollstens" akzeptieren.

Im Hauptamt angekommen, ging Kurt also zu besagter Personalstelle und ich erst mal gründlich pissen.

Nachdem ich mir den sorgfältigst Ayatollah ausgewrungen hatte, begab ich mich zu der Tür des Büros, welches für die Verwaltung unserer Angelegenheiten zeichnete.

Von drinnen hörte ich es grummeln, flöten und das typische postnatale Rummgeiern von Cheffe, der nun die Tür öffnend verlauten ließ:

"Ach macht ja nix, iss ja schließlich keiner verletzt (Gibbel-gibbel)!"

Wie sich nämlich alsbald herausstellte, hatte der Gute völlig vergessen, was er dort überhaupt besorgen wollte und stand nun konfus-stammelnd und kichernd, vor den verdutzten aber gütigen Sachbearbeiterinnen.

Also, in der Tat: "Viel Rauch um immer mehr weniger Nichts !" (Gibbel-Gibbel)

3.5.08 16:26

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