Auf den Bekackten fällt auch noch das Scheißhaus

Die Frau war zweifellos schön, keine Frage, aber ebenso
hochhackig wie– näsig , und noch dazu kalt wie ein Fisch, was einen zu der Annahme verleiten konnte, sie würde Schneebälle kacken und ihre Vagina hätte einen maßgeblichen Beitrag zur Erfindung des Eisfaches geleistet. So nannte ich sie schließlich auch "Frau Holle", selbstredend in der Hoffnung sie würde den wahren Grund dafür nie in Erfahrung bringen. Selbst nach Monaten verbissenster Suche, war es mir nie gelungen ihren G-Punkt ausfindig zu machen, aber ich tröstete mich damit, dass wir auch so genügend Reibungsfläche hatten. Eigentlich war mir ihr überhebliches, völlig gekünsteltes Auftreten völlig zu wider , aber kaum, dass sie sich bückte, vergaß ich die Welt rings um mich her. Ansonsten hatten wir eigentlich keine nennenswerten Schnittmengen miteinander. Sie war im Verlauf ihrer Entwicklung zweifellos an irgendeinem Märchenbuch kleben geblieben und so betrachtete sie mich denn auch als ihren Frosch, an dem ausgelöst durch ihren Zauber, noch eine gigantische Metamorphose von statten gehen würde. Aber schon nach dem ersten meiner Fürze, erkannte sie, dass ich mit einem Prinzen nicht das Geringste gemein hatte, und sie war drauf und dran die Feuerwehr anzurufen. Kurz nachdem sie mich dann darauf dressiert hatte, nicht mehr im Stehen zu pinkeln, kam der Tag an dem sie orgastischem Vergnügen anheim fiel, indem sie sich von irgend so einem selbstverliebten, chauvinistischen Schnösel ins hübsche, lippenbestiftete Kussmündchen urinieren lies, und danach saß sie auf einem roten Cocktailsessel, und ich auf einem grünen Hocker zu ihren Füßen, und irgendwie war dann Schluss.
Ich flehte und flennte sie an, beteuerte sogar, dass ich ohne sie nicht mehr Leben (ficken) könne, aber wie immer, musste sie es mal wieder besser wissen.

Danach stürzte ich in ein, jede Hoffnung verzehrendes, schwarzes Loch, und fühlte mich wie lebendig begraben, litt wie ein Schwein während der Schächtung und besoff mich, ob dieses Leidensdruckes, jeden Tag auf Teufel komm raus, sodass selbst der bald seine schwefeligen Finger von mir ließ. Gottseidank, steht keiner auf abgestürzte, liebeskranke Arschlöcher, und sogar meine nächsten Angehörigen wussten, aus einem gewissen Selbstschutz heraus, dass sie mich, in ihrer Hilflosigkeit gegenüber meines tränenlosen, katatonen Elends, nicht mehr verwalten konnten. So zogen sie letztlich auch wohlbedacht die Notbremse und überantworteten mich den Ärzten einer Klapsmühle, etwas außerhalb der Stadt. Ich hätte eigentlich liebend gerne durch schlichtes, heilendes Handauflegen von den dortigen Seelenklempnern erlernt, wie man es fertig bringt, das Leben lustig und vergnügt im Masturbat zu fristen, damit ich meinen edlen Schwanz nie mehr in so ein grässlich süßes Luder stecken müsste, aber stattdessen trichterten die mir dort so ein antidepressivierendes Zeug namens "Melleril" ein, und ich kriegte davon zwar keinen mehr hoch, aber auch keine Luft mehr durch die Nase. So wachte ich nächtens ständig auf, mit einem Maul, so trocken wie die Punzen von Jesus Bräuten, bis mir das ständige Grübeln gänzlich verging, und sich nach und nach das Gefühl der Gefühllosigkeit in mir breit machte. Hauptsache breit, dachte ich bei mir, und so drauflos präpariert, sediert, wie chemisch kastriert, und somit halbwegs geläutert, erschien ich nach einer Weile wieder auf der Bildfläche, die nun jedoch weder Erektionen, noch Ton und Farbe kannte. Das eigentliche Desaster stellte sich dann aber letztlich dadurch ein, dass ich nach all den Monaten des "Krankfeierns" und dem zweifelhaften Genuss der sozialen Hängematte, zwar vom übelsten Leidensdruck befreit, aber irgendwann auch mal wieder zur Arbeit musste, um mir die dämliche Marmelade aufs Brot zu verdienen. Nach Absetzen, der mich, meine Arbeitskraft und meine vergnügungssüchtigen Neigungen hemmenden Medikamente, kollidierte dieses Unterfangen allerdings erheblich mit meiner mangelhaften Psychohygiene, und außerdem war mein Vorgesetzter ein ebenso verkniffener Normopath, wie kleinmütiger Erbsenzähler. Ein "Männecken Wichtig", wie aus dem Bilderbuch, der in Sachen Null-Toleranz unterwegs war. Diesem ungemütlichen Knilch ging offensichtlich nur noch einer flitzen, wenn er mir disziplinarische Schwenkeinläufe verpassen, und mich leidenschaftlich in die Scheiße reiten konnte. Weil ich mich wegen meiner heftigen Kifferei, in Verbindung mit zeitweiligem, exzessiven Saufen des öfteren verpennte, hatte ich verdammt schlechte Karten bei dem Kerl, und der mich ständig auf der Rolle.
Da mein ungeliebter, erlernter Job bei einer Behörde jedoch einigermaßen gut dotiert war, war er für mich auch das Einzige, das mein gänzliches Abgleiten in die Asozialität zu verhindern wusste. Ich hatte schon eine peinliche verhandlungsschriftliche Abmahnung weg, und würde bei der Zweiten innerhalb eines Kalenderjahres wohl endgültig rausfliegen. Also stand ich ganz hübsch unter Stress damit, meinen Job nicht zu verlieren. Dementsprechend empfand ich natürlich auch das Betriebsklima. Trotz und wegen dieser Tatsache, war ich davon zu einem Fluchtverhalten angestachelt, bei dem ich mich völlig inkompatibel dazu, auf eine Sorte von nächtlicher Freizeitgestaltung einließ, die zwangsläufig auf krassem Kriegsfuß zu einem sich anschließenden Arbeitstag stehen musste. Auch an diesem einen, speziellen Abend Ende März, den ich wohl schwerlich vergessen kann (das Wetter war wieder mal wie geschaffen dafür sich die Pulsadern aufzuschneiden), wollte ich mich der Finsternis meines Gemütes entziehen und den Versuch starten, mir eine neue Braut aufzureißen. "Keine Macht den Drögen". Was lag somit also näher, als für ein solches Unterfangen die montägliche Oldie-Disco in "Siggis Kalei "aufzusuchen.

Der Laden war zwar ziemlich abgekackt, aber seit zwei Generationen Sammelbecken für Leute mit den gleichen braunen Streifen auf der Seele, wie in ihren Unterhosen. Zumeist der Typus des ewigen, zieselbärtigen Späthippies mit Bundeswehr-Parka am Leib, wie dem passenden Pelzbesatz dazu auf den Zähnen.
Das Kalei selbst, präsentierte sich als eine Mischung aus billigem Moschus und ranzigem Achselschweiß, obligatorischer Dopeschwade, schlampigen Selbstgedrehten und ebensolchen Weibern, imperativem Bierdurst, schmieriger Theke, fettigem Langhaar und speckigen Jeans, die meist so durchgesessen waren, dass die Knie und Arschbacken schon durchschimmerten. Damit sorgte es für eine Atmosphäre, die wie geschaffen war für durchgefrustete Kifferplattitüde, Worthülse und unartikuliertem Revoluzzertum. Eine gentechnologische Parodie auf unmotivierten, gestammelten Sprachgebrauch und innere Leere brachte hier seinen geistigen Auswurf hervor. Den meisten hier fielen die Worte wie Mottenkugeln aus dem Maul. Das Ganze kam dazu in einer Freigeistigkeit rüber, aus der sich jedweder Geist schon vor Öffnung des Mundes zu verflüchtigen wusste. Eine Mixtur aus pseudointellektueller Flitzkacke und wortreicher Sprachlosigkeit. Kurzum, das allgemeine Niveau hing dort so tief, wie die Glocken unseres Pfarrers am St. Nimmerleinstag. „Echt äih, Alter! Verstehse, ich glaub ich krich ne Krise. - Äih- voll Scheiße nämlich! Verstehse Alter, will mich die Tussi vonner Bewährungshilfe echt finster draufbringen, -irgendswie- nur weil mich die EVAG-Schweine (Kontrolleure der öffentlichen Verkehrsbetriebe) schonn widder gekrallt haben , -äih, verstehse Alter- habbich echt keinen Bock drauf, mich anwixen zu lassen von der Schnepfe. Geht mir voll auffe Nüsse – irgendswie, die bevotzte Kuh, die bevotzte. Echt äih!“

So, oder ähnlich stocherte man sich dort seine verbalen Speisereste aus dem kariösen Zahnbestand. Bodensatzmäßig, in der Tat, aber immerhin authentisch genug, dass man dem Ganzen einen gewissen Unterhaltungswert nicht absprechen konnte. Der liebe Gott hätte für diese Art seiner Kreationen sicherlich den Kleinkunstpreis verdient.
Aber worauf ich eigentlich hinaus will, da steht plötzlich diese niedliche Maus an der Theke und die hat wirklich was, von dem mir doch verdammich die Spucke wegblieb. Mein Adamsapfel tanzte plötzlich auf ´Dancing fool´ von Zappa, meine Augen schossen mir aus dem Kopf, wie Kanonenkugeln und mir erigierten die Glaskörper, wie bei einem Ochsenfrosch die Sprechblasen. Meine Fresse, war die hübsch. Ein Gesicht, wie ein angeschmuddeltes Schneeflittchen mit wallendem Rapunzelhaar, ein bisschen dreckige Fingernägelchen zwar, ein paar Hautprobleme vielleicht - waren das jetzt Pickelchen oder Sommersprossen? - , aber verdammt schöne Zähne paarten sich in ihrem Gesicht, mit Stupsnäschen und samtbraunen Kinderaugen, die wie Brunnenschächte auf mich wirkten. Ich muss da einfach hineinfallen, dachte ich. Gleich gehe ich rüber zu ihr und werde sie anbaggern, das ist fürwahr ein echtes Aschenputtelchen. Aber erst noch schnell ein Bier, ein bisschen Mut ansaufen. Das Mädel strahlte etwas aus, als wenn ich die schon aus einem früheren Leben kannte. Süüüß, unglaublich süß. Vielleicht saß die ja nur hier, weil die auf ihren Stecher wartete? Eigentlich schwer vorstellbar, dass die Solo ist, so wie die aussieht. Schon ein bisschen kaputt eigentlich, als wenn die auf Junk war. Aber trotzdem, wirklich ein Fleisch gewordener, feuchter Traum. Die muss ich haben, um sie kaputt zu machen. Aber nach der Sache mit Frau Holle wäre es hochnotpeinlich, mir jetzt einen Korb einzuhandeln. Das hätte meinem schwerst geschundenen Selbstwert den restlichen Gnadenstoß gegeben. Hat sie nicht gerade zu mir rübergesehen? Ich konnte meinen Blick gar nicht von ihr losreißen, war mir schon richtig unangenehm die Maus wie ein verklemmter, kleiner Wichser anzuhecheln, so gab ich mir Mühe, dass sie mich nicht Glotzen sieht.
„Ach, Scheiß der Hund drauf, ich geh da jetzt rüber zu ihr und spreche sie an, so süüüß ist die, wirklich supersüß, nur schnell noch ein Bierchen.“ Im Moment gab es ohnehin keinen ernstzunehmenden Konkurrenten hier. Die Kerle hier sahen alle aus, als hätte man über einen Vanillepudding gekotzt, so blutleer, mit ihrer Akne um die Fresse und auf dem fettglänzenden Zinken. Unappetitlich und widerlich, ungepflegte Luftpumpen und Lachtabletten allesamt. Eine Beleidigung selbst für star-behaftetste Netzhäute. Also, was soll’s? Noch genügend Zeit für ein weiteres Bier, nur keine Panik. Lobet den Gott der Gelassenheit; ich musste mir ohnehin noch eine originelle Anlabertaktik ausdenken.
Nach dem achten oder neunten 0,4 l’rer (???) hatte ich mir was für sie zurechtgelegt, so wie in etwa: „Hosianna Gevatterin, gebenedeit seiest du unter den Weibern, und gebenedeit sei die Frucht deines Leibes, in Ewigkeit -Samen!“ Damit und mit all den herrlichen Bierchen fand ich mich endlich soweit präpariert, um mir ein Herz zu fassen und ihr somit so schnell, als möglich an den Schritt. Je näher ich auf sie zukam desto zauberhafter erschien sie mir. Ich konnte sie schon fast riechen, da tauchte plötzlich wie aus dem Nichts so ein Schnarchhahn vor ihr auf, so ein richtiger Schleimbeutel. Und die Tussi lächelte doch wahrhaftig diesen unerotischen Gnom an und verschwand im Nu mit diesem Speiseröhrenkarzinom auf der Tanzfläche.
"Diese billige Votze, die dämliche!". Manchmal möchte man wirklich Teerstuhl kotzen. So eine verfluchte, schrille Schweinescheiße auf Preiselbeersoße. Waren mit Sicherheit doch Pickel und keine Sommersprossen. Außerdem stank die nach Pisse, glaub ich wenigstens im nachhinein. Jedenfalls, aus der Traum, auf dem letzten Meter einfach weggeschnappt von diesem Spitzkopf. Wieder nix zu vögeln, wieder mindestens eine Woche lang den Kasper schruppen, bis nur noch Blut und Knochensplitter auf das verkrustete Bettlaken pladdern. Nein, nicht schon wieder. Ich fühlte mich jetzt schon wie ein Druckbehälter für Sammelejakulat. Heute brauchte ich unbedingt mal wieder weibliches Fleisch.
Nachdem ich meine Restkohle gecheckt hatte, kam ich mit mir überein, mir im sogenannten Knüppelwalzwerk (Puff) ein paar Leibesübungen zu sponsern, und mir einen käuflichen Trimmpfad abzustecken. Fünfundfuffzich glatte Schleifen hatte ich ja noch am Mann.

Das Mädel unter mir hatte offensichtlich den Zenit ihres Lebens schon überschritten, als ich
noch das kleine Einmal-Eins lernte, und es schien an dem Praktikum, das ich an ihr absolvierte nicht sonderlich beteiligt. „Kannst du mal von hinten weitermachen “, sagte sie nach einer Weile „ ich will mal eine quarzen ?“ Ich muss zugeben, dass ich ganz schön einen im Schuh hatte, sonst hätte mich der Spruch ,und die damit verbundene Maßnahme, absolut abgeturnt, aber ich wollte es zu Ende bringen, so wie man als Kind seinen Teller leer isst, damit man am nächsten Tag wieder schönes Wetter hat. Also schob und schaukelte ich, presste, rammelte und rappelte mir einen ab, wie ein Akkuschrauber in den letzten Zügen (heute fährt aber keiner mehr), jetzt aber dafür mit Ausblick auf ihren leicht flabberigen Hintern, während sie eine Kippe nach der anderen rauchte. Es war wie verhext, es ging mir einfach keiner flitzen, und ich musste dazu offensichtlich noch weiter orgeln bis zum jüngsten Tag. Nun ja: "Um den Himmel voller Geigen zu haben, bedarf es schon so manch einer Bläserin!“, wusste unsere alte Benimmlehrerin schon immer einzuflechten, und obwohl der Aschenbecher noch gar nicht ganz voll war, brach meine Liebesdienerin plötzlich mittendrin ab und meinte: „Jüngelchen, wenn du jetzt nicht bald mal fertig wirst, musst du aber noch was drauflegen, mir glüht schon ganz fürchterlich die Dose.“ Ich weiß nicht, welcher Teufel mich ritt, oder ritt ich etwa den Teufel, der sich als Hure getarnt hatte?

Keiner nahm mich für voll, aber ich war es wohl.
Jedenfalls rutschte mir das ultimativ Bescheuertste raus, was in dieser ultimativ bescheuerten Situation, an Bescheuertheit möglich war. Und so kann ich euch eigentlich gar nicht sagen, wie bescheuert ich gewesen bin, denn ich sagte zu ihr: „Schon ok., geht klar, ich hab’ aber nur noch ´en Zehner.“ Und so fing sie sofort zu kreischen und zu zetern an, und sie schrie was das Zeug hielt: „Für `nen verstunkenen, mickrigen Zehner klemm ich dir deine verschrumpelte Glasnudel nicht mal in der Tür ein, wenn Mutter Theresa von der anderen Seite mit `ner Jesussandale draufrumkloppen will, du Affenarsch. Scher dich raus hier, du Bettnässer, sonst lass ich dir die Fresse polieren, dass sich sämtliche Notarztwagen der Stadt drin spiegeln können und du deine Cheeseburger ´nen halbes Jahr nur noch unter Lokalanästhesie aus der Schnabeltasse weglutschen kannst. Fick dich selbst, du abnormer Depp, und mach die Fliege, aber getz mal ganz, ganz flott.“
Ob solch garstigen Wortes war ich natürlich ein wenig verunsichert; zudem hatte ich noch diverse Schwierigkeiten, in meine Unterhose zu kommen, denn ich verhedderte mich darin, weil ich mit einem Bein durch den Hosenstall eingestiegen war. So trat sie mir, nur haarscharf an meinen Klöten vorbei, ins verlängerte Rückgrat und brüllte aufs neue drauflos:
„Bist du einfach nur taub, oder hast du auch noch Taubenscheiße in den Ohren, du besoffener Penner? Raus hier habbich gesacht, getz aber mal hastig!“ Ich griff nach meiner Kleidung und entwich auf den Flur, wobei ich die Putzfrau anrempelte, über die und ihren Wassereimer ich bei all der Hektik, die meiner Flucht innewohnte, stolperte. Die gute Frau fing postwendend an, mit ihrem siffigen Feudel auf mich einzudreschen, und es blieb mir nichts anderes übrig als mit glühenden Absätzen und wehendem Hoden jämmerlich das Weite zu suchen. So rannte ich zu den Parkplätzen zu meinem treuen alten Käfer, ließ den Motor an und machte mich vom Acker, noch ehe ich die Wagentür richtig zugeknallt hatte.

Heulend vor lauter Wut und Scham stoppte ich auf einem Seitenstreifen der Steeler Straße, weil es im Wagen so schweinekalt, und ich immer noch splitterfasernackt war. Die Heizung war schon seit Monaten im Arsch. Schlotternd vor Kälte und innerem Aufruhr versuchte ich in meine Klamotten zu kommen, als ich mich plötzlich im Lichtkegel einer Taschenlampe befand.
Etwas großes Grünes klopfte ans Seitenfenster und wahrhaftig: „Auf den Bekackten fällt auch noch das Scheißhaus!". „Allgemeine Verkehrskontrolle, ihre Fahrzeugpapiere und ihren Führerschein bitte, und steigen sie mal aus. Wir sind ihnen schon von der Stahlstraße aus gefolgt. Ist das hier ihre Unterhose? Sagen sie mal, haben sie was getrunken, sie haben ja 'ne ganz schöne Fahne?“ Ob dieser peinlichen Situation versuchte ich meine Scham mit einer gewissen Zickigkeit zu bedecken. „ Nee, Herr Wachtmeister, die Frau, von der ich gerade komme, hatte `ne Bierkurspülung im Haar.“ „Bierkurspülung so so! Aber ich schätze mal, wir haben’s hier mit weit mehr zu tun, als nur einem Haarproblem. Wie ist das mit der Unterbuxe hier, stammt die nun von ihnen oder nicht, junger Mann? Was war eigentlich los da im Puff, sie hatten es ja ganz schön eilig ?“ „Jetzt fragen sie mir aber knietiefe Löcher in den Bauch, Herr Wachtmeister. Aber wenn sie’s unbedingt genau wissen wollen, mein Hausarzt hat mir ein paar Hausbesuche bei einer Krankengymnasiastin für meinen geschwollenen Peniskus verschrieben, und seitdem ich da hingehe, sind meine Potenzstörungen wie weggeblasen.“ „Ha,ha,hah! Das sind ja höchst erschöpfende Auskünfte, mein Junge. Apropos Blasen, da hätte ich was für sie. Das heißt, vorrausgesetzt sie sind mit einem Alkoholtest einverstanden?“ Was sollte ich auch anderes tun, als mich in Höflichkeiten zu üben? Der Bulle war offensichtlich kein Schwachmat, obwohl seinem Kollegen, der fortwährend gibbelte, wie ’ne Hauptschultussi, die auf ihren ersten Eisprung wartete, das wissende Grinsen eines Idioten ins Gesicht gestanzt war. (Nannte man das in der Psychologie nicht Prägung?) Nun, wie dem auch sei, ich musste zunächst einmal mit all ihren Vorgaben einverstanden sein, bat aber zwingend darum, mich vorher ankleiden zu dürfen, damit die sich anschließenden Messergebnisse nicht durch meinen Kältetod verfälscht würden. Immerhin stand wohl auch der Ältere von den beiden Kermits anscheinend auf meine Art von Humor, vielleicht lag aber auch eine gewisse Situationskomik über der ganzen Szenerie, und so prusteten beide plötzlich wie wild drauflos, was sie aber keinesfalls davon abhielt, mir resolut das Teströhrchen hinzuhalten. Ich versuchte mich in bio-energetischer Atemtechnik und füllte meine ausgepowerten Lungenlappen mehrmals hintereinander mit frischer Nachtluft, bevor ich ins Horn stieß. Offenbar aber mit sehr mangelhaftem Erfolg, denn das Resultat fiel deutlich zu meinen Ungunsten aus. „Ok , es reicht jetzt, oder wollen sie uns auch noch „Hänschen Klein“ auf dem Ding vorspielen ? Eiderdäuschen, was haben wir denn hier, ganze 2,15 Promillchen, da müssen sie ja ihrer Bekannten, samt ihrer kompletten Laufkundschaft die Brust und alles andere mit Franzbranntwein eingerieben haben, oder welche ätherischen Öle kamen da zum Einsatz? Zwischendurch vielleicht noch ein bisschen damit gegurgelt?“
„Bei Gott, genauso war es. Es tut mir leid Herr Wachtmeister, zwar nicht Franzbranntwein, aber mit der Klosterfrau ihrem Melissengeist. Ich war da vorhin nicht ganz aufrichtig zu ihnen !“ „Soso, na gut, mein Junge, dann will ich das mal nicht so persönlich nehmen, wenn sie sich jetzt schön kompatibel gestalten und ohne Zicken mit uns aufs Revier kommen. Wir wollen doch mal sehen, was sie den Leuten auf ärztliche Verordnung so alles in die Haare schmieren. Hier, sie haben vergessen, ihre Unterhose anzuziehen. Erich, frag mal nach, wer heute Nacht bei unserem Komiker hier den Vampir spielen möchte?“

Der Weg von der Hauptwache in Steele zu meiner Wohnung in Heisingen war weit und arschkalt. Nach dem Motto: "Der Führer ist ein armes Schwein, hat er doch keinen Führerschein", hatte man meinen auf der Stelle eingesackt und auch meine Karre, wegen der Nichtigkeit einer längst abgelaufenen TÜV-Plakette, an den Haken gelegt. Ungünstigerweise hätte mein restlicher Zaster auf keinen Fall mehr für ein Taxi gereicht, und nach aller Schmach, die durch den Verlauf dieser Nacht auf mir lastete, wollte ich keinesfalls obendrein noch den Zorn eines von seiner Arbeitswelt brutalisierten Droschkenkutschers auf mich laden. Also musste ich mir wohl oder übel ein wenig die Beine vertreten.
Die ganzen 9 Kilometer schnatterte ich vor Kälte, und es wollte einfach kein Ende nehmen. Aber irgendwie - ich krabbelte schon auf den Brustwarzen - schaffte ich es bis zu meiner Bude. Völlig hinüber und total durchgefroren drehte ich die Heizkörper auf volle Pulle und fläzte mich noch in voller Montur auf die Couch. "Gott Verdammich!" Was hatte ich da eigentlich alles in den Taschen? Die waren ja ausgebeult wie die Backen von Dizzy Gillespie (Trompeter, gilt wegen seiner ungeheueren Wangendehnung, als Ochsenfrosch der Jazzmusik), als er Satchmo (Luis Armstrong) die Eier ausblies. "Ach ja. Logo !" Meine Rotzfahne, den spärlichen restlichen Zaster, die mir noch verbliebenen Ausweißpapiere, meine verknitterten Kippen, einen von Frau Holles Schneebällen (nur ein zusammengeklumptes Tempotaschentuch) und, ach ja, meinen guten, alten Schlüpfer natürlich. Sogar einen gut 3 Gramm schweren Kniesel Schimmelafghanen hatten die mir wieder zurückgegeben, nachdem sie mich gefilzt hatten. Eines musste man den Bullen ja lassen: beklauen taten sie einen in deutschen Landen nicht gerade. Dafür gab es schließlich Anwälte, Apotheker, Zahnärzte, Politiker, Gerichtsvollzieher, Finanzämter, Banken und Immobilienmakler ect.pp. oder dergleichen (im Einzelfall auch ganz konkret), in Hülle und Fülle.
Ein Blick zur Uhr ließ mich dann erschaudern, denn ein weiteres Ungemach kündigte sich mir an und mir die Lebensfreude. In eineinhalb Stunden musste ich meinen trost- und freudlosen Dienst in der Vermittlungsstelle antreten. "Scheiße, Scheiße, Scheiße und Eiter dazu !"
Also war an Schlaf gar nicht mehr zu denken. Wenn ich mich jetzt ablegte, würde ich durchpennen bis in die Nachtschicht rein. Also ging ich rüber ins Bad, weil ich da noch die Reste einer Großpackung Reaktivahn (eigentlich gehörte das Zeug mit einem W geschrieben) vermutete. Ich wurde nach einigem nervösen Fummeln im Spiegelschrank fündig. "Gottseidank !" Zu meiner weiteren Freude ergab es sich, dass der Inhalt des 80 Liter fassenden Warmwasserspeichers noch für ein erquickendes Wannenbad zu gebrauchen war. Da ich Wannenbädern leidenschaftlich verpflichtet bin, erschien mir das in Anbetracht all der Niederlagen und der erlittenen Schrunden dieser Nacht als eine unverhoffte Wiedergutmachung. Andersherum riet mir aber eine innere Stimme, mich nicht in zuviel Glückseeligkeit einzubinden, da man, erst einmal damit ausgestattet zu sehr am Leben hängen könnte. Ich war ja schon "der Tor de Monats "und wollte von daher nicht auch noch im Zuge von Ämterhäufung einen "Stadtmeister im positiven Denken" da hinzufügen. Aber was sollte schon gegen wenig warmes Nass einzuwenden sein ?

An Blaumachen war auch nicht zu denken, da mich die Personalstelle wegen einer lapidaren Überinanspruchnahme von Einzelfehltagen bereits zur Attestpflicht ab dem 1. Fehltag verdonnert hatte und auch mein Hausarzt sich nicht mehr geneigt zeigte, meinen Leistungsverweigerungsattitüden Hilfestellung zu leisten. Trotz und wegen der Tatsache, dass ich ihm gegenüber immer mit offenen Karten (Scheißblatt) gespielt hatte, wusste er mich erst jüngst dahingehend zu belehren, dass auch seine Großmut mir gegenüber Grenzen aufzeigte. Also schluckte ich ein paar Pillen und ließ mir das Wasser in die Wanne und mich wenig später dazu.

Prustend und spuckend kam ich zu mir. Ich suchte nach Luft, denn irgendwas hatte ich in der Tröte. Irgendetwas, das sich beharrlich weigerte, sich abhusten zu lassen. Um mich herum war alles eisig, so als wenn Frau Holle wieder neben mir läge. Nein Kacke, so langsam kam ich aus meiner Traumwelt zurück.
Das Badewasser war’s. Dessen Temperatur war mittlerweile auf dem selben Niveau, wie der Durchschnitts-IQ bei einem ost-westfälischen Schützen- und Trachtenverein angelangt, und ich lag bis zu meinem Hustenanfall wie eine ausgeblutete Wasserleiche darin. Knapp über mir schaukelte so ein merkwürdiger Faden in meiner Atemluft hin und her, der von der Zimmerdecke bis zu meiner Fressluke runter hing. Sollte ich etwa, - aber nein, das wäre wirklich zu ekelig. "Pfui ,Spinne !" Bloß nicht dran denken und schnell raus hier aus der eisigen Miege. Ich stürzte, ohne mich abzutrocknen, ins Wohnzimmer und ran an die Heizung. „Brrr!“, war mir kalt. Dazu hatte ich einen Schädel, der das ganze überhitzte Zimmer auszufüllen schien und sich anfühlte, als hätte in der letzten Woche die gesamte Schmiedezunft darauf einen Trommelkurs absolviert. Mir war kotzelend ."Scheiß Reaktivahn" - ist auch nicht mehr das, was es mal war. Dann sah ich auf die Uhr. Es war 7.22 Uhr, und um sieben war Dienstbeginn.
Es versprach noch ein ereignisreicher Tag zu werden....



3.5.08 16:35

Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen