Wenn schon falsch, dann richtig

Es gibt zweifellos Menschen, die bedauerlicher-, wohl aber auch verständlicherweise, niemals in ihrem trostlosen Leben, eine empathische Neigung zu herzigen Freundlichkeiten entwickeln konnten. Aber diese Leute hier, schienen obendrein auch noch dergestalt von ihrem Sentimentalitätsmangel beseelt zu sein, dass man glauben mochte, sie beherbergten ihre Tränendrüsen eher in rektalen Gefilden.

Ich war, unterwegs ins häusliche NRW, von einem quälendem Nachdurst geplagt, und in die nordfriesische Kneipe einer kleinen Ortschaft eingekehrt, nachdem ich jüngst, ein paar wüste, und durchkiffte Nächte mit Freunden auf Borkum gezecht, wie auch das Musikalische, in der dortigen Hafenschänke gepflegt hatte. Noch dazu hatte mir während der gesamten Zeit meiner verkaterten Fahrt, erbarmungslos die Sonne auf die ohnehin schon angematschte Birne gebrannt, als wäre die Frontscheibe meines 50ger Jahre Käfers plötzlich mit einem konvexen Schliff versehen, auf dass mir der Schweiß runterlief, wie die letzte Ölung, durch den „Reinfall“ vor Schaffhausen.

So hatte ich mich notgedrungen dazu entschlossen, meiner eigenen „Brennweite“ zu frönen, und eine kurze Rast einzulegen, um meinen einreduzierten Flüssigkeitshaushalt mit 1 bis 2 mittelgroßen, kühlen „Blonden“ nachzuregulieren, und damit einem kurz bevorstehenden Volumenmangelschock entgegenzuwirken.

Es war außer dem Wirt noch keiner dort zu gegen, aber kaum, dass ich artig lächelnd, mit einem höflichen „Guten Tag, ein bis zwei Bier, bitte!“, an der Theke Platz genommen hatte, und lechzend meinem ersten, lebensrettenden Flensburger entgegenfieberte, tat sich hinter mir die Türe auf, und apropos „kühle Blonde“, es stampften jetzt von Draußen, ein halbes Dutzend, von denen, in den Schankraum rein, allerdings kurz geschoren, und in Form von riesigen Fleischpalästen, mit grimmig-kantigen Visagen, obendrein ausstaffiert mit den hier wohl landestypischen Latzhosen und Gummistiefeln. War das etwa die
Leibgarde, des Hannoveranischen Prügel- und Sudelprinzen?

Ebenso ortskundig, wie wortkarg, pflanzten sie sich, schräg hinter mir, an einen Tisch, beäugten mich, nebst meinem wallenden, eitel gepflegten Langhaar argwöhnisch, und gaben dem Wirt durch eine knappe Geste ihre Bestellung auf, als handelte es sich bei dem, um einen „Staubdummen“.

Deutlich sah ich jetzt auch das Glitzern von boshafter Dummheit, gepaart mit blutrünstigster Gewaltbereitschaft, in den fahlen Schweinsaugen, meiner potentiellen Meuchler. Mir ging ungemein die Düse. So hielt ich mich, wie spastisch verkrampft, an meinem halb vollen Bierglas fest, und wusste nicht so recht, wie auch links, wo ich sonst noch so hingucken sollte. Hinter der Theke war alles verspiegelt, und so sah ich mit halbem Auge, wie diese „Brutalinskys“ ihre Skinheads hinter meinem Rücken zusammensteckten, und zu mir rüberdeutend tuschelten.
Auch glaubte ich, anhand von dem, was sich da gegen mich zusammenzubrauen schien, zwingend Wortfetzen, wie „langhaarige Schwuchtel“, „Fresse polieren“, und „Arsch lackieren“ erahnen zu können.

Also nichts wie weg hier, und zwar schleunigst. Ich angelte einen 5er aus meiner ansonsten leeren Hosentasche, warf ihn vor mich auf die Theke, und sprang auf, wie angestochen, um schleunigst das Weite, meines innig geliebten VW-Oldtimers aufzusuchen, und meine beherzte Fluch einzuleiten. Draußen auf dem Parkplatz schien alles ruhig, doch als ich in meiner Hektik die Wagentür aufsperrte, sah ich, dass die kaltblütige Meute, die es auf mich abgesehen hatte, mir hart auf den Fersen war, denn die hatten sich schon vor der Tür eingefunden, und stierten mir angriffslustig hinterher.

Glück im Unglück, denn ich legte einen, zuvor für unmöglich gehaltenen, Bilderbuchstart hin. Als ich jedoch gerade auf die Landstraße auffahren wollte, knallte es scharf hinter mir, - zweifellos ein Schuss aus großem Kaliber-, dass mir, vor Schreck die ohnedem schon gestreiften Sinne schwanden, und ich das Steuer verriss. Dann kriegte ich einen satten Schlag vor die Stirne, und tonnenschwere, schwarze Nacht umwabberte mich, bis mir bald darauf der dünne Faden, der mich noch am Leben hielt, vollends abriss….


Als es langsam wieder heller wurde, vernahm ich anfänglich nur ein dösiges, monotones Brummen, nebst einem stumpfen Schmerz hinter meinen Augen, und musste unwillkürlich an den beknackten Karl May denken, als ich in den Ewigen Jagdgründen auftauchte, denn mir schob sich eine riesige Bärentatze unter den stussigen Schädel, und eine labberige Bisonzunge oldwabblelte mir quer übers Gesicht.

„Ei, wo isser denn?“, ließ nun, mutmaßlich Manitu, unerwartet schlicht verlauten. Es blitzte überall in grellen, bunten Farben auf. Der Nebel lichtete sich, und die um mich geglaubten, verblichenen Rothäute, gaben jetzt die Sicht auf erstaunlich realistische Bleichgesichter frei, die ich schon, aus irgendeinem, längst vergangenem, vorherigen Leben zu erinnern glaubte.

„Uns Hippiejung hier, is jo ganz schön ongeschlägt!“, hieß es da jetzt,
„geev dem örst mol een üppigen Moorgeist Ino, damit dö widder beikommen tut. Dä is jo wohl noch en bischen tüddelich ins Gemüse, und hott sich wohl nicht nur die Horspitzen gebrröcht! Dä hätt sich wohl denkt, dass mer dön angriepen wölln!“

Ich riss die Augen nun vollends auf, denn irgendein teuflisches Feuerwasser rammte sich mir, wie ein brennender Speer, tief in den Rachen hinein. Ich prustete, und versuchte wenigstens ein stammelndes Flehen zu Stande zu bringen. Mehr als ein jämmerliches Winseln, kam dabei aber nicht heraus:
„Lasst mir doch bitte, bitte meinen Skalp, ich will hier nicht, im diesseitigen Jenseits, mit einem Glatzkopf rumlaufen, wie ihr!“, (sollte das in meiner schieren Verzweiflung wohl heißen)

„Watt hätt dä sächt?“, erkundigte sich jetzt Manitu, eher mild besorgt, als donnernd erzürnt.

„Habbs nech vörstonn, dö is irgendwö nich von dieser Wörld“, antwortete ein athletisch gebauter Wikinger, nahezu doppelt so groß, und breit wie ich. (wie kam der denn nun wieder hier her? Der musste sich wohl im falschen Film verlaufen haben).

Das Feuerwasser war mittlerweile in meinen Eingeweiden angelangt, und ich kam mit einem grunzenden „Hulp, rzzzt“ hoch, denn ich machte Anstalten mich übergeben zu müssen, wobei mir die Bisonzunge, die sich jetzt als nass-kalter Waschlappen entpuppte, vorsorglich vor das Gesicht gehalten wurde, und mir schwer übers Maul wischte.

„Jong, latt rohig allet röss, du bösch hier in Sicherhött, wö sent hö oll döne Frends!“

Langsam dämmerte es mir, und ich fand gespenstisch schnell, in die alte Welt zurück, denn ich musste nun zu meiner Schande erkennen, dass es sich bei Manitu, um den Wirt aus jener alten Kneipe handelte, die ich erst wenige Jahrhunderte zuvor, zu verlassen geglaubt hatte.

„Meine Fresse, was war das denn für eine Horrorgeschichte? Jungs, ich hab' echt gedacht, ihr wolltet mich massakrieren. Kann ich wohl bitte noch einen von diesem Tote erweckenden "Geisterheiler" kriegen, den mir Winnetou vorhin verabreicht hat?“, röchelte ich.

„Winnetou? Dön kenn ich gerrode nich zur Genüge, aber von den Moorgeist häpp ich nuch.“ Lies besagter Ino jetzt verlauten.

Die nordischen Hünen standen allesamt, muskelbepackt, aber jetzt gutmütig grinsend, um mich rum, und ich lag lang ausgestreckt auf einer Ofenbank, in der gemütlich-bürgerlich, und pingelig sauber ausgestatteten Kneipe, die ich zuvor noch mit panischer Paranoia verlassen hatte.

Wie sich alsbald, bei stetig wiederkehrendem Bewusstsein herausstellte, hatte Renard, ein 2,10m großer, gutmütiger Kerl, mit weißblonder Igelfrisur, am Samstag zuvor, ein echt „goiles“ Rockkonzert auf Borkum besucht, und gemutmaßt, dass es sich bei mir, um den "bannig guten Drömmler" (wie er sich ausdrückte) handeln könnte, den die dort aufgeboten hatten. Er, und seine, so rabiat geglaubten Kameraden, erwiesen sich jetzt allesamt, als unglaublich liebenswürdige, hilfsbereite Menschen,
die zwar etwas ruppig im norddeutschen Umgangston veranlagt waren, mir aber begegneten, als gehörte ich bereits seit Jahren zum intimen Familienkreis.

Blieb allerdings immer noch die Frage danach offen, wer und warum dieser, auf mich geschossen hatte? Denn diese herzensguten Knilche, hatten nicht das Geringste von diesem Attentat auf mich mitbekommen, geschweige denn, je etwas von (m)einem enormen Knall gehört.

Mein, mir ans Herz gewachsenes Gefährt, lag traurig-schräg und unheilsschwanger auf der Seite, in einem seichten Wassergraben, längst der Straße.
Schnell war der aber, mit einem an Ort und Stelle verfügbaren Traktor dort herausgezogen, und ich durfte erleichtert feststellen, dass kein nennenswerter Schaden daran entstanden war. Aber was um alles in der Welt, hatte mir eine solche Riesenmeise beschert, dass ich deutlich diesen Schuss vernommen hatte?

Ich stieg in den Wagen, der keinerlei Einschusslöcher auswies, um anzutesten, ob der noch genauso forsch ansprang, wie zuvor. Nach einigem, fast gewohnten Stottern, polterte der Motor los, was den jüngst, erworbenen, neuen Freundeskreis überrascht aufjubeln lies, denn ich hatte den leistungsarmen, aber ungemein durstigen, altforderen Käfermotor des geteilten Heckscheiblers, unlängst mit einer Maschine, aus einem verunfallten 911er getauscht, den ich durch den Ausbau der Rückbank Platz zu schaffen wusste. Die Neugier meiner arisch, blauäugigen Riesen war dementsprechend groß, und sie wandten sich nun der Innenausstattung meines unorthodox, getunten Fahrzeugs zu, weil ich, neben einigen Kleinigkeiten, auch das Lenkrad, und die Schalensitze aus diesem Porsche dazu benutzt hatte, meinen Herby aufzuwerten. So erklärte ich ihnen bereitwillig, und voller Stolz, die Veränderungen, die ich an meinem „Nobelkäfer“ vorgenommen hatte. Wobei ich lediglich auf einiges Stirnrunzeln stieß, weil ich die nötige Spurverbreiterung des Fahrzeuges, bisher lediglich stümperhaft und kostengünstig, durch das Umdrehen der Felgen in Angriff genommen hatte.
Die Schwarten hingegen (Weißwandreifen), die ich aufgezogen hatte, fanden aber die volle Zustimmung aller Anwesenden, obwohl mir der gute Renard, ob meiner Fahrlässigkeit wegen der Felgen, echt eine knallen wollte.

Was das nun wiederum anbetraf, gab es für den Anschlag auf mich, immer noch nicht die geringste, schlüssige Erklärung. Was zum Teufel, konnte das, abgesehen mal, von meinem, durch Kifferei gesteuerten, Verfolgungswahn ausgelöst haben???

Völlig abgedreht und kirre!!! Und mir völlig rätselhaft!!!

Die potentiellen Gewalttäter, wie auch der Wirt, kamen schnell darin überein, dass ich mit meiner offenkundigen Gehirnerschütterung, unmöglich noch weiter fahren konnte, sodass sie mich, keinen Widerspruch duldend, trotz und wegen allem Wohlwollens, erst am nächsten Tag weiterfahren lassen wollten. Obwohl ich ebenso lax, wie plattitüd anzumerken wusste, dass „wo nix ist, eben auch eigentlich nix zu erschüttern sein könnte“.

Sie ließen mir nicht die geringste Chance, als ihnen Folge zu leisten, und wenigstens die Zeit, bis zum nächsten Morgen, mit ihnen zu verbringen. Einer von Renards etwas maulfaulen Kumpels, verstand sich, wie sich jetzt zu meiner Freude herausstellte, auf das Vortrefflichste, im Bauen von Tüten mit den im benachbarten Holländle bezogenen Rohmaterialien.
Von daher war der wohlige Ablauf des Abends also bestens gewährleistet. Zudem schien es ganz so, als würde es noch einer mit sehr hoher Luftfeuchtigkeit, denn ich hatte ich dem Wirt, die Pulle Moorgeist, wie zwei Kästen Flensburger abgekauft, um mich in der Mitte meiner neu gewonnenen Freunde anständig benehmen zu können.
Dieser Moorgeist lies mich sogar für ein paar Stunden diesen
kotzbrockigen, distanzlosen Karl May vergessen, mit dem ich mir fast meine gesamte Jugend verschandelt hatte, da ich nahezu all seine Bücher gelesen hatte, was mir besonders in Stresssituationen, immer wieder Winnetou, Vupa Umogi, Old Wabble, oder auch Hatschi Halef Omar ben Hatschi Abul Abbas Ibn ben Hatschi Dawut Algossera, in Form von völlig absurden Déjà-vu-Erlebnissen bescherte. Ganz so, als wäre ich einzig von Zwangsgedanken gesteuert.

Wir tranken unser Flaschbier in hohen Dosen, und irgendwann, nach einem selten spaßigen, völlig abgelachten Abend, machte Renard lässig ein anmutiges Kötzerchen hinter das Sofa, und auch die anderen Jungs brachen bald darauf gewaltig ein. Ich fühlte mich nach dem letzten Schluck aus der Moorgeistpulle bald ebenso angeschlagen, sodass ich mich dankbar für alles, und voll wie eine Haubitze, in meine Penntüte unter jenem Tisch einrollte, unter den wir uns im wahrsten Sinne des Wortes gegenseitig getrunken hatten. Alles völlig stressfrei und unkompliziert, selbst für eine so neurotische Memme, wie mich.

Ein Wecker schrillte plötzlich sadistisch los, und ein Blick auf meine leuchtzifferpräparierte Armbanduhr vermeldete, dass es allenfalls erst 5 Uhr, und somit noch mitten in der Nacht war. Was meine ebenfalls noch halb komatösen Gastgeber jedoch keineswegs davon abhielt, mit einem ungeahnten, tatendurstigen Drill loszulegen, als handelte es sich bei dem Obdach, dass sie mir geboten hatten, um die elitäre Freiherr von Stein Kaserne. Ich war noch entsetzlich müde, galt jedoch in Ermangelung der dafür typischen Symptome, die sich einem ansonsten in Form von Großkatzen um Kopf und Magengegend legen, als vollkommen katerfrei.
Die Burschen betrieben ganz offensichtlich eine ehrbare, traditionsreiche Landwirtschaft, wie ich mir zu vergegenwärtigen suchte, und nahmen die Sache wohl nicht gerade auf die leichteste Schulter, wenn es daran ging ihr Tagewerk zu vollbringen.
„Wör süppeln konn, konn öch orbeuten!“, wie es so trefflich geradeaus und autentisch dazu hieß, dass selbst mir keine Zweifel an dessen Sinngebung aufkommen wollten.

Wir verabschiedeten uns, nach einem, von seiner Konsistenz her, schwer an Bitumen erinnernden, großzügig bemessenen Becher Kaffee, und das, mit solch einer ungestümen Herzlichkeit, dass ich verwundert darüber war, keine Schlüsselbeinfraktur, nebst diverser Rippenprellungen davongetragen zu haben. Was für ein herrlicher Menschenschlag das doch war, obwohl die doch als so ultimativ stur galten.

Zu guter letzt, wollte es sich Renard aber doch nicht nehmen lassen, noch schnell einmal das Unding von meinem Automobil, selbsttätig durch die Ortschaft zu dirigieren.
Sein Wunsch war mir Befehl, und so stiegen wir zu zweit in meine Büchse, wobei ich einen auf dem Beifahrersitz liegenden Sektkorken lokalisierte, der damit als dickes Fragezeichen, nach einer dringenden Fahndung ob seiner Herkunft verlangte.
Nach weiterer Sondierung im Fahrgastraum entdeckten wir schließlich auch, hinten auf einer improvisierten Ablage, dass dazu passende Behältnis in Gestalt einer angebrochenen 5 Liter Schaumweinflasche, die ich bei einem vor Wochen absolvierten Slalomrennen, im Mülheimer Gewerbegebiet, als Trostpflaster für einen 4.Platz erhalten hatte. Dieser bescheuerte Korken musste sich wohl, bei meinem überstürzten Aufbruch losgeschaukelt haben. Der Schuss, wie auch das Rätsel darum, hatte sich damit also gelöst, und eine zwar seltsam groteske, aber doch einleuchtend schlichte, wie plausible Erklärung gefunden. Das veranlasste uns natürlich dazu, uns in Lachkrämpfen zu verbiegen, bis uns die Bäuche schmerzten und Tränen aus den Augen, und keineswegs aus dem Hintern schossen.

Ich war gerade beschwingt dazu übergegangen, eine Kassette mit dem schauderhaften Mitschnitt unserer letzten Aufführung einzulegen, als der Motor stotternd verreckte.
"Was für eine ....!!!" Mir lag, bedingt durch eine, bei mir eher selten vorkommenden Wortfindungsstörung, gerade kein passender, unflätiger Schimpf auf den Lippen. Insofern versuchte ich in meiner Wut, erst einmal auf dem nächsten „Fluchplatz“ notzulanden, bevor ich noch gänzlich abstürzte. Ich Blödmann hatte nämlich völlig veralzheimert, dass ich gestern unbedingt noch tanken wollte. Wegen meiner ungeplanten Ausgaben, in Sachen Moorgeist und Bier am Tage zuvor, waren meine Barschaften bis auf ein klägliches Minimum zusammengeschrumpelt.
So kramte und kratzte ich alles Erdenkliche aus meinen Taschen, wie aus sonstigen Schlupfwinkeln, in die ich mir angewöhnt hatte, mein Kleingeld zu deponieren.
Es fanden sich, nach einigem Suchen, auch noch stolze 5,63 Mark, wie 20 ausgeleierte und immer noch höchst arabisch „duftende“, ägyptische Pfundnoten an, die wegen ihres nahezu nichtigen Wertes, und seltsamerweise trotz ihrer Ausdünstungen, ganz in Vergessenheit geraten waren.

Was war jetzt zu tun???

Verselbstsichert, durch vorangegangene positive menschliche Erfahrungen, schnappte ich mir den Benzinkanister, und stellte mich als Anhalter an die Straße. Keine Sau hielt an (wohl auch, da ich unsinnigerweise mal wieder auf echte Menschen zählte), obwohl ich mit dem Kanister heftig wedelte, und signalisierte, dass mir der Sprit ausgegangen war, wie es jedem von uns ja wohl mal passieren kann. Warum nicht auch einem Vollidioten, wie mir? So ging es per Pedes immer der Nase nach, um vielleicht mal irgendwann, als Höhepunkt eines ansonsten verpfuschten Lebens, eine dämliche Tankstelle zu erreichen.

Als unpassionierter Fußgänger, verging die Zeit natürlich nicht gerade wie im Flug, und es kam mir bereits wie Stunden vor, als ein leerer Lastzug polternd neben mir zu stehen kam, dessen Fahrer mich von hinten, mit seiner ungemein differenzierten Auffassungsgabe, wie auch meiner langen Haartracht wegen, wohl für eine notgeile Trampertussi gehalten hatte, die bekloppt genug war sich von diesem triebgefederten Hammerhai nageln zu lassen. Peinlich und süß-säuerlich angerührt erkundigte er sich jedoch nach meinem Begehr. Wie nicht anders zu erwarten hatte er natürlich nur Diesel am Start, ließ sich aber letztlich doch, und trotz seiner knallharten Enttäuschung, dazu erweichen, einen „Gammler“ wie mich bis zum nächsten Rastplatz mitzunehmen. Wenigstens ein winziger Lichtstreif an sonst finsterem Horizont, obwohl ich eigentlich immer noch keine Ahnung hatte, wie weit ich mit dem pisseligen Zaster noch kommen würde. Immerhin galt es noch volle 180 km bis nach Hause abzuwickeln, was sich angesichts meines leeren Tanks, als etwas schwierig gestalten wollte.

Der Geisteszustand des Truckers zeugte auch des weiteren, von der Hirntätigkeit eines Kopfsalates im Wachkoma. Ein dummdreister, faschistoider Tölpel, der nichts mit dem, mir zugeschriebenen Wortwitz anzufangen wusste, stattdessen aber freigeistig verlauten lies, dass Hitler eigentlich nur Gutes tun wollte, aber von den Juden in Auschwitz daran gehindert wurde, weil die sich dort massenweise selbst umbrachten, um das dem lieben Adolf in die Schuhe zu schieben, usw. und so fort, sodass ich froh war, dem endlich nach etwa 35 km, an der nächsten Raststätte entkommen zu können, bevor ich noch einen Ehrenmord an ihm verübte. Ich dankte diesem antisemitischen, drögen Knallkopp knapp, und wandte mich sogleich den Möglichkeiten zu, meinen leeren Kanister wieder auffüllen zu können.

Wie immer, hatten die an solchen Anlaufpunkten unverschämte Preise, sowohl für ihr hart gesottenes, altöliges Nahrungsangebot, wie auch für das Benzin, das sie dort angeblich so blasenfrei verzapften.
Ich erkannte allerdings erfreut, dass die wegen des vermehrten Aufkommens von Holl- und sonstigen Ausländern hier, eine Geldwechselstube hatten, und dachte mir, selbst wenn die angebackten, ägyptischen Pfunde, die ich mit mir führte, lediglich einen Wert von vielleicht 1,50 Mark erbringen würden, diese für mich doch immerhin (seinerzeit) etwa 2 weitere Liter kostbarsten Treibstoffes bedeuten würden, die eventuell entscheidend dafür sein könnten, noch gerade zu(m) heimischem Essen zu gelangen.

Die werden jetzt zwar doof gucken, aber einen Versuch ist es allemal wert. Was blieb mir auch anderes übrig?
Ich stellte mich also verlegen dort an, und legte schüchtern, meine armseligen, mageren Pfunde auf den Tresen, als ich an der Reihe war.

Die glupschäugige, fette Kuh dahinter, würdigte mich keines Blickes. Mir schwante Böses. Sie nahm aber kommentarlos die zerknitterten, verstunkenen Scheine, sah auf eine Tabelle, betätigte einen Rechner, und zahlte mir teilnahmslos, die stolze Summe von hinreißenden 65 Märkern dafür aus.
Ich hätte ihr ein Kind machen können, in meinem Glück.

Um es mit der Lebensweisheit eines Philosofickers auszudrücken, der ein solcher geblieben wäre, wenn er geschwiegen hätte: "Fußball ist manchmal wie Schach, nur ohne Würfel!"
Die Ägypter mussten offenbar äußerst gewinnbringend ein paar von ihren angestaubten Pyramiden verkloppt haben, dachte ich, denn anders lies sich die rapide Zunahme des zuvor so armseligen Wechselkurses, von deren verlausten Inflationsknete, die irgendwie immer noch nach Pott, und nach Arsch roch, eigentlich kaum noch erklären. (Wo die ihren Zaster wohl bunkern mochten???)
Aber, wie dem auch sei, offenbar ein seltener Bankirrtum zu meinen Gunsten, mit dem ausgestattet, ich mich jetzt sogar erst einmal satt essen konnte, denn ich verspürte bereits ein deutliches Loch im Bauch, nebst einer Unterzuckerung meines immer noch restalkoholisierten Blutes. Also erstmal rüber an die Fressbude, und mir ausgiebig Currywurst, und doppelt Pommes rot/weis reingefiedelt, bevor es an weitere energiespendenden Maßnahmen zur Weiterfahrt gehen konnte.

Mit dieser, eher volkstümlich, als biblisch zu nennenden Massenspeisung frisch gesalbt, und den Magen geteert und gefedert, wie mit 10 Litern Super/verbleit ausgestattet, fand sich auch bald, als Zugabe meines unverschämten, angeschmuddelten Glückes, eine betagte Dame mit gepflegtem Äußeren, die in Richtung meines zurückgelassenen Oldtimers unterwegs war, und mich, wie auf das Selbstverständlichste neben diesem absetzte, da sie sich so beherzt zeigte, auch vor einem Langhaarigen, mit schütterem Dreitagesbart nicht zurückzuschrecken. Es gibt mitunter doch wirklich noch nette, pragmatische Menschen, wie ich zu meiner feisten Freude jetzt wiederholt feststellen durfte.

Ich betankte das aufs Trockendock gelegte Fahrzeug, und fuhr los, um es zwischendurch noch mal für einen Zwanni irgendwo nachzufüllen, auf dass ich im Weiteren auch wirklich frei von weiteren Handicaps, zu meiner gewohnten Häuslichkeit, wie zu dem, mir treu ergebenem Weibe, zurückfinden würde, welches mir, für gewöhnlich, all diese Unbill und Schikanen vom Leibe hielt, wenn ich sie zur Seite hatte, wie ich mir jetzt ehrlich eingestehen musste.

Ich war in der tat gerade drauf und dran, mir und meinem getriezten Leben wieder etwas abgewinnen zu können, als ich in meinem schwer von schadstoffhaltigen Sättigungsbeilagen belasteten, inneren Gekröse, ein ominöses Grummeln, nebst anfänglich noch leichtem Krampfen vernahm, welches zweifellos vermeldete, dass ich etwas Unrechtes gegessen zu haben schien.Das rief mir sofort das Märchen vom „Kotläppchen und dem Mösen-Rolf“, in Erinnerung, indem es da hieß: „Was rammelt und pimpert in meinem Bauch herum?“ (oder wenigstens so ähnlich)
Zudem steckte ich nun, zu meinem Entsetzen, voll in einem Stau fest, der sich kaum noch im Schritttempo vorwärts bewegte.

Das Grummeln entwickelte sich jetzt zu einer ausgewachsenen, inneren Gewitterfront, und gestaltete sich bald "proportioanal" zu dem schmerzhaften Ziehen und Stauchen der Kontraktionen, aus denen ein dringliches Bedürfnis resultierte, umgehend eine "stille Ortschaft" ansteuern zu wollen. Zumal ich bisher, seit meinen Kindertagen, keinerlei Erfahrungen mehr mit einem imperativem Stuhldrang gesammelt hatte. Insofern gestattete ich mir jetzt, ebenso unbedarft, wie leichtsinnig, ein "winziges" Pübchen.

Auf ein klitzeklitzekleines, verzagtes "Hürrrz", folgte, einem inneren Erdrutsch gleich, ein gigantischer, unaufhaltsamer "Flutttsch!!!"

Ich wusste zuerst nicht recht, wie mir geschah, aber „es“ stieg mir dampfend heiß und schnalzend, von unten her, den Rücken hinauf, bis hoch ins Genick. Zudem breitete sich blitzartig ein „ohrenbetäubender“ Gestank aus, der mich zu spastischen Schlundkrämpfen nötigte. Genau jenes „Zusammenreißen“, dem ich mich, kurz zuvor, offenbar nicht ausreichend genug gestellt hatte, schien mir jetzt noch um so zwingender angezeigt. Dafür jedoch, eine solch furchtbare Niederkunft, tapfer und stolz, wie ein echter Winnetou ertragen zu können, fehlte mir jetzt allerdings vollends, die erst fürzlich heimgesuchte „Gelassenheit“.

Schließlich waren es Schalensitze, indem meine rückwärtige Hälfte eingebettet war, und ich hatte obendrein meinen, damals noch gertenschlanken Körper, wie ein ballistisches Meisterstück, in einen extrem eng anliegenden Overall hineingeschossen. Somit war es tatsächlich schrille, ordinäre Scheiße, in der ich hier jetzt, mitten in diesem Stau festsaß. Und das, bis hinauf zum Haaransatz, und hinein in die quitschnassen Achselhöhlen. Mein ganzer Körper saß gefangen in dieser kabbeligen Kacke, und ich fiel neben einer tiefgründigen Ratlosigkeit, auswegloser Verzweifelung anheim.

Das Schlimmste war aber eigentlich weniger der Gestank, als vielmehr das Brennen in meinen Augen. Je mehr ich über meinen bestialischen Zustand nachgrübelte, umso heftiger juckte es jetzt auch. Und umso mehr es mich juckte, desto klarer trat mir ins kontaminierte Bewusstsein, dass es einfach keine Möglichkeit gab, an diesem Zustand etwas zu ändern, bis ich endlich meine anheimelnde Winzwohnung im Stadtteil Holsterhausen erreicht haben würde.
Es war tragisch, aber ich hatte es auszuhalten. An wen, konnte ich mich auch schon Hilfe suchend wenden, mit der kotigen Last, meines schleimigen Stoffwechselendproduktes, welches nun langsam, aber stetig dazu überging, an meinem verhöhnten Körper festzubacken und zu verkrusten. An einen Priester und Seelsorger etwa, auf das ich obendrein noch zu „Ewigem Beichtstuhl“ verdonnert werden würde? Oder vielleicht, an die Ambulanz einer städtischen Bedürfnisanstalt, die mich höchst wahrscheinlich, in meiner peinlichen Notdürftigkeit, als Privatpatient, an eine zwar fachkundige, aber analsadistisch ausgerichtete Kinder- und Säuglingsschwester überweisen würde? So ein Ding würde mir als Selbstzahler ziemlich teuer zu stehen kommen. Nein, danke!!! Solche Nummern galten selbst mir, und meiner sexuellen Neugier, als verpönt.

Das alles erwies sich fortschreitend, als höchst aufgeweckter Alptraum, und ein Ding, der an mir praktizierten Unmöglichkeiten, denn das Maß meiner grenzenlosen Blamage war ohnedem schon bis zum Überlaufen voll, und das, im wahrsten Sinne des Wortes. Ich musste mich also dazu zwingen, nicht weiter mit meinem Schicksal zu hadern. So versuchte ich halbherzig dazu überzugehen, mich darüber freuen zu wollen, dass mir dieses grässliche Unterfangen, nicht eingekeilt, zwischen hunderten, wildfremder Menschen, und deren Sitzreihen, auf einem „inkontinentalen“ Flug, wie z.B. unterwegs nach Australien, passiert war. Kaum auszudenken, in seiner hochnotpeinlichen Erbärmlichkeit!

Noch 80km bis Essen, aber "Gott sei Dank!", der Stau löste sich allmählich auf. Wahrscheinlich kam ich gerade noch eben rechtzeitig, um wenigstens die liebe Astrid, wie versprochen, vom Klinikum abzuholen.
Der Rest, dieser letzten, menschenunwürdigen Wegstrecke, zog sich ebenso zäh hin, wie die Kacke, die immer mehr eintrocknete, und jetzt an mir haftete, wie die unverrückbar bescheuerte Erbsünde, an der katholischen Welt.

Ich weiß nicht mehr wie, aber ich schaffte es gerade eben so, und ohne mich als Zugabe auch noch bekotzen zu müssen, pünktlich zu der verabredeten Stelle. Dies jedoch nur, um jetzt trotz alledem, bestürzt feststellen zu müssen, dass auf den Bekackten, in der Tat auch noch das Scheißhaus zu fallen pflegt.

Die Maßlosigkeit meiner Bredouille, wollte sich partout nicht bescheiden, und einfach kein Ende finden.

Wäre ich depperter Depp, ich depperter, doch bloß auf direktem Wege nach hause gefahren, denn ausgerechnet heute, wollte die höchst sensationelle Stationskollegin meiner Lebensgefährtin, die schon seit Wochen als Traumfrau meine triebhafte Gedankenwelt beherrschte, ein Stück mitfahren, und von mir, zum Rhein-Ruhr Zentrum gebracht werden. Einen Wunsch, den ich ihr üblicherweise nur allzu gerne erfüllt hätte. Wobei uns, schon einmal zuvor, die Gunst von spontaner Intimität zu teil wurde, weil meine Astrid, eines Notfalles wegen, Überstunden machen musste.
Dabei hatte es zwischen uns, bis hin zu einem tiefschürfenden Zungenkuss, und einem semi-orgastischen Petting, einst dermaßen geknistert, dass ich wochenlang nur noch als überdimensionale Popkorntüte herumlief, wie auch Hochspannungsaggregate, unter meiner Schädeldecke verspürte, und mir somit stets deutlich ein empörtes bis aggressives "Ppssssssssttt!!!" galt, sobald ich einer Kino- oder Theatervorstellung beiwohnte.

Es wollte mich schier zerreißen, aber jetzt, auch noch diesen hochkarätigen und verschärften Mittelpunkt männlicher Begierde, meinen widerlichen Ausdünstungen auszusetzen zu müssen, und die allerschönste Vanessa damit zu verprellen, schien mir schlechtweg als unmöglich. So kurbelte ich auch verkniffen die Seitenscheibe nur wenige Zentimeter herunter, und besann mich, ob der hinterfotzigen Zwickmühle an der ich klebte, darauf, dass für gewöhnlich, nichts so absurd und unglaubwürdig ist, wie die schonungslos ehrliche, und nackte Wahrheit, um jetzt höchst (fahr)lässig zu verkünden.

„Tut mir echt leid Vanessa, aber das geht heute leider nicht. Ich habe mich nämlich grade eben erst prophylaktisch von unten bis oben eingestuhlt, um meiner erotischen Ausstrahlung auf dich, keinen weiteren „Vorschub“ mehr zu leisten!“ ,
worauf sie entrüstet, aber ungemein selbstsicher konterte:
„Wenn du mich nicht mehr abkannst, kannste mir das ruhig offen und ehrlich ins Gesicht sagen, du Kackfratze! Astrid weiß sowieso bescheid, und du brauchst mir gar nicht mit so `nem Scheiß zu kommen! Keine Bange, ich werde deine Fahrkünste nicht weiter in Anspruch nehmen. Du hast bei mir ausgeschissen bis hin zum „Jüngsten Tag“, du arrogantes Arschloch!“

Offenbar hatte sie nicht die geringste Ahnung davon, wie nahe sie damit dem tatsächlichem Sachverhalt gekommen war, denn sie drehte sich höchst dynamisch, und spontan auf dem Absatz um, und stöckelte erhobenen Hauptes, lautstark, mit dem temperamentvollem „Auftreten“ einer Flamencotänzerin von dannen, als gelte es mir, mit ihren wild klackernden Pumps, das Gelege zu Eiersalat zu zerstampfen.

Da ich mir zuvor noch ernsthaft gute Chancen bei ihr ausgerechnet hatte, um sie gegen die, mir bereits etwas abgegriffen erscheinende Astrid eintauschen zu können, bei der, wegen unserer langjährigen Vertrautheit, einstige Leidenschaft, längst zu einem gewissen "Wärmetod der Gefühle" verkümmert war, machte sich bei mir nun endgültig der "tiefschwarze Blues" breit, anstatt eine, durch ein Stoßgebet erflehte Ohnmacht, um meine kackbraunen, rückwärtigen Elegien, zu übertönen, bzw. zu übertünchen. Denn dieses herrliche Luxusweib, schien mir trotz und wegen ihres gerechten Zornes, ob meiner „herausragenden“ Qualitäten, und meiner ungünstigen Lage darin, so begehrenswert, und schmerzhaft schön, wie selten zuvor.

Das alles schien mir plötzlich paradoxer als das Paradoxeste, und so kam mir als Stadtmeister des „Positiven Denkens“, fast zeitgleich in den Sinn, dass das Ganze letztlich auch sein Gutes haben könnte, weil ich somit, nicht nur meinen Enddarm, sondern endlich auch meinen Gewissenskonflikt hinsichtlich meiner „guten, altgedienten Frau“ ausgeräumt hatte, die jetzt ihrerseits, völlig entgeistert, verlauten lies:

„Sach ma, hast du sie nicht mehr alle stramm. Was sollte das denn werden, wenn es fertig ist? Ätzender ging es ja wohl wirklich nicht mehr. Seit wann scheißt du dich denn so ein, wenn es um Vanessa geht? Die wollte doch nur von uns am Humboldring abgesetzt werden. Du warst doch sonst immer so spitz auf Van!“

„Jau, Schatz, genau das siehst du völlig richtig, von wegen dem Einscheißen, und so. Genau darum ging es mir ja gerade eben! Aber steig erst mal ein.
Sach ma, riechst du eigentlich gar nix?“

„Doch schon, irgendwie stinkt es hier drinnen nach dem kompletten Bierschiss der nordrhein-westfälischen Anonymen Alkoholiker. Also, raus damit.
Was ist los mit dir?“

„Wie du eigentlich wissen dürftest, war mit mir noch nie besonders viel los, aber mit dem „Raus damit“ liegst du gar nicht mal so verkehrt, denn genau das ist mir vorhin leider Gottes passiert, und ich hocke da jetzt schon seit über zwei Stunden mitten drin. Du glaubst ja gar nicht, wie toll ich mich dabei fühle?
Ist das nicht putzig? Ich habe volles Rohr mein gesamtes Pulver verschossen, und stinke wie tausend Ottern. Ich bin müde, ich klebe am ganzen Körper, fühle mich maßlos erniedrigt, und will sofort wieder zurück in deinen Bauch, Mutti!!!“

Mir kamen nun wirklich fast die Tränen, und sie nahm mich tröstend in den Arm, und gab mir einen dicken Schmatzer, mitten auf meinen kleinen, verbitterten Mund.

Das Schicksal hatte mal wieder unerbittlich zugeschlagen, mir einen rechten Haken mitten in die Magengrube verpasst, und sich dann sanftmütig in gnadenloser Gerechtigkeit geübt, um mich, bis auf Weiteres, „ewiger“ Treue zu verpflichten, sodass es nun wirklich Zeit wurde, schleunigst unter die Dusche zu kommen, wie auch die Wäsche zu wechseln, anstatt die Frau. Und plötzlich schwante mir auch wieder, was genau ich an dieser hatte. War die gute Astrid doch eine, bei der ich mich offensichtlich für nix zu schämen brauchte.

Bei diesem Gedanken, wurde mir fast ebenso warm ums Herz, wie es noch wenige Stunden zuvor meiner "Schokoladenseite" beschieden gewesen war.
Und unterm Strich, stärkt einem doch nichts die Lebensgeister mehr, als halbwegs saubere Unterwäsche, das tägliche
Flaschbier, das einem die treu ergebene Gattin zur Seite stellt, und die dämliche Stulle, die man sich reinschiebt.

Es gibt Momente im Leben eines jeden Mannes, da muss dieser unweigerlich zum Klappspaten greifen, und sich ein metertiefes Loch ausheben, um im rettenden Erdboden versinken zu können.
So leicht, ist das allerdings meist gar nicht. Besonders dann nicht, wenn einen die Geschicke mal wieder durch Dick und Dünn treiben, um das Leben zur Schlammschlacht zu gestalten. Und obwohl einem oftmals das Herz, vor lauter Scham stehen zu bleiben, und in die Hose zu rutschen droht, - das bekackte Leben, flutscht mit boshafter Beliebigkeit schnurstracks an einem vorbei, und geht schonungslos weiter, sooft man auch darin ausgleitet. Heißt es dazu nicht umsonst so treffend (?):
"Willst du Gott zum Lachen bringen, erzähle ihm von deinen Plänen".






22.7.08 13:02

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